Die Aserbaidschanische Staatliche Nachrichtenagentur

Afghanistan: Flüchtlinge im eigenen Land

Afghanistan: Flüchtlinge im eigenen Land

Baku, 10. Januar, AZERTAC 

Hunderttausende Afghanen sind in ihrer Heimat auf der Flucht. Die Zahl der Kriegsvertriebenen ist seit Anfang 2015 auf 620.000 Menschen gestiegen, berichten die Vereinten Nationen in einem in der Nacht auf Dienstag veröffentlichten Bericht.

Das sind 40.000 mehr als noch Mitte Dezember. Damals hatte die Uno 580.000 Flüchtlinge gemeldet. Grund für den Anstieg der Flüchtlingszahlen sind laut den Vereinten Nationen die anhaltenden und sich ausbreitenden Konflikte im Land. Hinzu kommen Mangelernährung und die Gefahr durch explosive Kriegsrückstände.

Fast die Hälfte aller Vertriebenen halten sich laut Uno im Norden des Landes auf - dazu zählen auch die Provinzen Kunduz und Baghlan. Dort war die Bundeswehr noch bis 2013 stationiert. Viele Binnenflüchtlinge leben auch im Süden Afghanistans, wo die radikalislamischen Taliban sich mit ihren Offensiven vor allem auf die Provinzen Helmand und Urusgan konzentrieren.

Vor allem Kinder sind betroffen - Humanitäre Helfer sprechen von einer Krise mit "tödlichen Konsequenzen". Mehr als die Hälfte der Vertriebenen seien Kinder. Vermehrt gibt es auch unerwartete Massenabschiebungen afghanischer Flüchtlinge aus Pakistan und Iran. Etwa eine Millionen Afghanen mussten 2016 unfreiwillig in ihr kriegszerrissenes Land heimkehren - zum Teil nach Jahrzehnten, schätzen die Internationale Organisation für Migration und das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen.

Im jüngst erschienenen Uno-Bericht zu den "Humanitären Bedürfnissen 2017" ist die Rede von 9,3 Millionen Afghanen in Not - ein Anstieg von 13 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Inwiefern die massiven Binnenfluchtbewegungen und die unerwartet hohen Zahlen der unfreiwilligen Rückkehrer aus Pakistan und Iran die Migration Richtung Europa beeinflussen, sei noch nicht klar.

Trotz der Notlage will die Bundesregierung Flüchtlinge aus Afghanistan abschieben, wenn sie aus sicheren Regionen stammen. Als sogenannte sichere Zonen gelten beispielsweise Großstädte wie Masar-i-Scharif oder Herat. Dort, so die Einschätzung, könne man als Rückkehrer einigermaßen sicher leben.

Bereits Mitte Dezember sind 34 abgelehnte Asylbewerber aus Afghanistan nach Kabul abgeschoben worden. Zuvor hatte Deutschland abgelehnte afghanische Asylbewerber meist jahrelang geduldet. Wegen der fragilen Sicherheitslage am Hindukusch verhinderten auch Gerichte mehrmals die zwangsweise Rückführung in das Krisenland. Letztlich wurden nur eine Handvoll Afghanen pro Jahr tatsächlich abgeschoben.

Die Uno zählt Afghanistan in ihrem jüngsten Bericht weiterhin zu den gefährlichsten und gewalttätigsten Länder der Welt.

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