„Air India“-Chef: Bei verunglücktem Flugzeug kein technischer Defekt festgestellt
Baku, 14. Juli, AZERTAC
Nach einem vorläufigen Bericht zum Absturz des Air-India-Flugzeugs vor einem Monat stehen nun zwei Regler und die Piloten im Fokus. Aus dem Report der indischen Behörde für Flugunfalluntersuchung geht hervor, dass der Absturz mit 260 Toten möglicherweise auf eine unterbrochene Treibstoffzufuhr zurückzuführen ist. Die Regler für die Kraftstoffzufuhr der beiden Triebwerke seien unmittelbar nach dem Start fast gleichzeitig auf die Position „abgeschaltet“ gesprungen, heißt es. Wird die Treibstoffzufuhr unterbrochen, liefern die Triebwerke keinen Schub mehr und das Flugzeug verliert an Höhe.
Luftfahrtexperten, die nicht an der Erstellung des Berichts beteiligt waren, kommen zu unterschiedlichen Einschätzungen. Graham Braithwaite von der Cranfield University sagte der BBC, solche Treibstoffregler könnten nicht leicht abgeschaltet werden. Es handle sich um „wirklich wichtige Schalter“, die davor geschützt seien, dass jemand sie versehentlich berühre.
Wenn ein Pilot einen solchen Schalter betätigen wolle, müsse er diesen „anheben und sehr bestimmt in die gewünschte Position bewegen“, erklärte der Professor für Sicherheit und Unfalluntersuchung. Braithwaite wies aber auch darauf hin, dass in dem Bericht nicht behauptet werde, ein Pilot habe den Schalter bewegt.
Behörde: Keine Handlungsempfehlung für Boeing - Die indische Behörde für Flugunfalluntersuchung weist in ihrem Bericht auf ein Bulletin der US-Luftfahrtbehörde FAA von Dezember 2018 hin, in dem es um diese Regler für die Kraftstoffzufuhr ging. Die FAA empfahl damals unter anderem Eigentümern und Betreibern von Flugzeugen des Modells Boeing 787-8, am Boden zu prüfen, ob die Verriegelungsfunktion der Regler funktioniert. Falls nicht, sollte der Regler laut FAA bei nächster Gelegenheit getauscht werden. Zuvor sei Boeing von einzelnen Boeing-737-Betreibern gemeldet worden, dass bei ihren Flugzeugen die Verriegelungsfunktion nicht aktiviert gewesen sei.
Das Bulletin von 2018 war eine Information, keine verpflichtende Lufttüchtigkeitsanweisung. Aus dem aktuellen Bericht geht hervor, dass Air India die vorgeschlagene Inspektion nach eigenen Angaben nicht durchführte, da es sich um eine Empfehlung und keine verpflichtende Anweisung gehandelt habe. Seit 2023 sei kein Defekt des Treibstoffreglers im schließlich abgestürzten Flugzeug gemeldet worden.
In diesem Stadium der Untersuchungen gebe es „keine Handlungsempfehlungen für die Betreiber und Hersteller von Boeing 787-8 und/oder GE GEnx-1B-Triebwerken“, teilte die Behörde mit. An den Untersuchungen beteiligten sich auch Experten von Boeing, der Bundesluftfahrtbehörde der USA sowie des Triebwerkherstellers GE, wie AZERTAC unter Berufung auf Spiegel berichtet.
Der Chef der Fluggesellschaft Air India, Campbell Wilson, sagte, der Bericht liefere zwar zusätzliche Details zu dem Unglück. Aber: „Wenig überraschend sorgte er sowohl für mehr Klarheit als auch für zusätzliche Fragen.« Der Bericht habe weder eine Ursache genannt noch Empfehlungen ausgesprochen, erklärte Wilson am Montag in einem internen Memo, das der Nachrichtenagentur Reuters vorlag. „Daher bitte ich alle dringend, keine voreiligen Schlüsse zu ziehen, da die Untersuchung noch lange nicht abgeschlossen ist.“