Die wundersame Vermehrung der Kaiserpinguine
Baku, den 14. April (AZERTAG). Der Film „Die Reise der Pinguine“ hat die majestätischen Kaiserpinguine weltbekannt gemacht. Eine neue Studie zeigt nun, dass es in der Antarktis doppelt so viele von ihnen gibt wie bisher angenommen. Satellitenbilder haben die Tiere überführt.
Temperaturen bis 60 Grad unter Null, das Zelt vom Schneesturm fortgerafft, die Zähne ausgefallen - für Apsley Cherry-Garrard war das mörderische Unterfangen nicht weniger als „die schlimmste Reise der Welt“. So nannte der britische Polarforscher den Bericht über seine Extrem-Expedition im Jahr 1911. Auf der Ross-Insel war er mit seinen Kollegen Edward Wilson und Henry Bowers zur weltweit einzig bekannten Kolonie von Kaiserpinguinen vorgestoßen - und die brüten eben nur in der mörderischen Kälte des antarktischen Winters.
Das Dreiergrüppchen erreichte nur unter größten persönlichen Entbehrungen sein wissenschaftliches Ziel: Doch zum ersten Mal war es gelungen, fünf Eier der stattlichen Polartiere zu bergen. Die darin verborgenen Embryonen sollten beweisen, dass die vermeintlich primitiven Vögel - immerhin konnten sie nicht fliegen - direkt von den Reptilien abstammten. Diese evolutionsgeschichtliche Entwicklung sagte jedenfalls die damals populäre Biogenetische Grundregel des Zoologen Ernst Haeckel voraus.
Mittlerweile verläuft die Polarforschung zum Glück etwas weniger entbehrungsreich. Mit moderner Technik ist es Wissenschaftlern nun gelungen, gleich mehrere unbekannte Kolonien von Kaiserpinguinen zu entdecken - und ganz nebenbei die Zahl der insgesamt in der Antarktis lebenden Tiere dieser Art deutlich nach oben zu korrigieren.
Ein internationales Forscherteam hat für die Inventur des Tierbestands erstmals hochauflösende Satellitenaufnahmen genutzt. Im Fachmagazin „PLoS One“ berichten die Wissenschaftler um Peter Fretwell vom British Antarctic Survey (BAS) in Cambridge, dass sie auf Basis der im Jahr 2009 aufgenommenen Bilder nun von einer Gesamtpopulation von 595.000 Tieren ausgehen. Die aktuelle Schätzung, sie stammt vom Anfang der neunziger Jahre, hatte lediglich 270.000 bis 350.000 Kaiserpinguine in der Antarktis vermutet.