Erstmals Afrikanerin Chefanklägerin in Den Haag
Baku, den 14. Juni (AZERTAG). Fatou Bensouda aus Gambia wird neue Chefanklägerin des Internationalen Strafgerichtshofs in Den Haag. Die Juristin mit der sanften Stimme dürfte vor allem bei Afrikanern Vorurteile zerstreuen.
Die Angeklagten sind schwarz, der Ankläger war bislang weiß. Alle Verbrecher, gegen die der Internationale Strafgerichtshof (IStGH) in Den Haag unter seinem umstrittenen argentinischen Chefankläger Luis Moreno Ocampo bislang ermittelte, kamen aus Afrika.
Der kongolesische Warlord Thomas Lubanga ist bislang der Einzige, der vom IStGH verurteilt wurde. Vor allem Afrikaner warfen dem Gericht deshalb immer wieder vor, ein Instrument neokolonialer Politik zu sein. Das soll sich nun ändern.
Heute wird die Gambierin Fatou Bensouda neue Chefanklägerin. „Mit Afrikanern in wichtigen Positionen können wir Vorurteile zerstreuen, das Gericht würde nur afrikanische Fälle verfolgen“, sagt die Neue. Sie kündigt an, dass unter ihr verstärkt Verbrechen außerhalb Afrikas untersucht werden sollen. „Ich bin Anklägerin von 121 Staaten, nicht nur der afrikanischen“, sagt die unerschrockene Juristin.
Für Kriegsverbrecher in Afrika bedeutet dies jedoch keine Verschnaufpause. Schließlich will sie sich nicht vorwerfen lassen, ungerechte Milde gegen ihren eigenen Kontinent walten zu lassen. In Bensoudas Büro hängt ein Poster mit den vom Gerichtshof gesuchten oder bereits angeklagten Verbrechern aus Afrika. Bislang sind es 25, doch es könnten bald mehr werden.
„Wir haben es nicht darauf abgesehen, die Afrikaner schlechtzumachen. Vielmehr versuchen wir, Afrikas Opfer zu beschützen, die diesen Gerichtshof dringender als alle anderen wollten“, sagte sie vor ihrer Nominierung.
Zuvor hatte die Westafrikanerin die Fokussierung auf Afrika bereits damit gerechtfertigt, dass dort die „schwerwiegendsten Situationen“ zu finden seien. Aus dem Mund einer Afrikanerin können die Politiker des Kontinents dies leichter akzeptieren als aus dem Mund des Schnell-, Laut- und Vielsprechers Ocampo.
Bensouda ist die erste Afrikanerin und die erste Frau auf dem Posten des Chefanklägers. Die 51-Jährige kennt sich aus mit der Rolle der Pionierin. Sie war die Erste ihrer Familie, die in Nigeria Jura studieren durfte, und die erste Gambierin, die nach einer Promotion auf Malta Expertin für internationales Seerecht wurde.
Später war Bensouda gambische Justizministerin und Geschäftsführerin einer Bank, bevor die international renommierte Schweizer Juristin Carla Del Ponte sie zum Internationalen Strafgerichtshof für Ruanda nach Arusha in Tansania holte.