Mars-Erforschung bis 2033 zum Stillstand verdammt
Baku, den 1. März (AZERTAG). Eigentlich sollte die nächste Mars-Mission erstmals Proben zur Erde bringen. Doch die Finanzen der Nationalen Luft- und Raumfahrtbehörde der USA (NASA) lassen das nicht zu.
Zwischen der US-Raumfahrtbehörde Nasa und führenden Wissenschaftlern ist ein handfester Streit über das Marsprogramm ausgebrochen. Es geht ums Geld, aber auch darum, wie hoch die Priorität der Erforschung des Nachbarplaneten angesehen wird.
In den Haushaltsplänen der US-Regierung wurden im Februar bereits zwei unbemannte Missionen abgesagt, die die USA mit den Europäern gemeinsam in den Jahren 2016 und 2018 durchführen wollten. Jetzt sollen die Wissenschaftler bis zum Sommer eine abgespeckte Billigversion einer Marsmission für 2018 planen - ohne Landung auf der Oberfläche.
Marsforscher schäumen vor Wut. Sollte sich US-Präsident Barack Obama mit seinen Plänen durchsetzen, würde zwar das günstige Zeitfenster 2018 genutzt - so nah wie in sechs Jahren kommen sich Erde und Mars erst wieder 2033 - aber die Landung eines Rovers auf der Marsoberfläche wäre nicht drin, geschweige denn eine Probenentnahme samt Rückflug zur Erde. „Im Grunde ist dies das Ende des Marsprogramms“, sagt Phil Christensen von der Arizona State University.
Bisher hatte immer eine Nasa-Marsmission auf der vorangegangenen aufgebaut, und alle hatten mit den zentralen Fragen zu tun: Gibt es Leben auf dem Mars oder hat es jemals welches gegeben? Hätte es jemals Leben auf dem Mars geben können?
Nachdem die Viking-Missionen von 1976 zwar spektakuläre Bilder von der Marsoberfläche geliefert hatten, die beiden stationären Landemodule aber in völlig sterilen Sand- und Felswüsten abgeworfen worden waren, verlor die Nasa zunächst das Interesse am Mars.
Erst 1997 erkundete ein Rover von der Größe eines Bobbycars die staubige Oberfläche, und 2004 setzte die Nasa gleich zwei identische Fahrzeuge auf dem roten Planeten ab. „Spirit“ und „Opportunity“ hatten etwa die Ausmaße eines Golfplatzwagens.
Derzeit ist die nächst größere Fahrzeugvariante unterwegs: Der Rover „Curiosity“ ist so groß wie ein Kleinbus und soll - wenn er im August die komplizierte Landung heil übersteht - eine Vielzahl von Proben entnehmen und vor Ort erhitzen, mit Lasern verdampfen und mit Alphateilchen beschießen. Aus diesen Versuchen erhoffen sich die Planetologen Erkenntnisse über die Vergangenheit der Marsoberfläche.
Eins kann die Curiosity-Mission jedoch nicht leisten: Proben vom Mars in irdische Labore bringen. Das wäre der nächste Schritt, und den haben die Marsforscher an den US-Unis fest eingeplant. Steve Squyres von der Cornell University sagt, wenn die Nasa keine Proben mehr vom Mars bringen wolle, könne sie das Programm auch einstellen und sich auf andere Ziele konzentrieren - zum Beispiel auf den Jupitermond Europa.
Dort ist es mit rund 150 Grad unter Null zwar sehr kalt, dafür vermuten die Planetologen in größerer Tiefe jedoch die Existenz von flüssigem Wasser - der Voraussetzung für Leben, wie wir es kennen. Nasa-Planetologe Jim Green bestätigt im wesentlichen Squyres' Gedankengang: „Wir stehen in der Tat am Scheideweg“.
Der Stanford-Professor und ehemalige Leiter des Nasa-Marsprogramms Scott Hubbard sagte über die Stimmung seiner Forscherkollegen nach den Ankündigungen der Behörde: „Wir haben völlig fassungslos und deprimiert herumgesessen.“
Nach den derzeitigen Plänen soll die Mission von 2018 auf 700 Millionen Dollar gedeckelt werden, nicht auf dem Mars landen und vielleicht nicht einmal in den Orbit einschwenken. Zum Vergleich: Die laufende Curiosity-Mission kostet rund 2,5 Milliarden Dollar.