Melodien prägen sich im Schlaf ein
Baku, den 25. Juni (AZERTAG). Einfach im Schlaf eine Fremdsprache lernen, indem man sich mit Vokabeln beschallen lässt? So einfach ist es nicht. Doch ein Nickerchen kann helfen, vorher Geübtes später erfolgreicher abzurufen - das zeigt ein musikalisches Experiment.
Musikstücke lassen sich leichter lernen, wenn man sie auch im Schlaf hört. Das zeigt ein Experiment US-amerikanischer Forscher. Sie spielten ihren Probanden im Tiefschlaf eine von zwei Melodien vor, die diese zuvor auf einer Klaviertastatur geübt hatten. Nach der Schlafphase konnten die Teilnehmer die im Schlaf gehörte Melodie besser und mit weniger Fehlern spielen als die nicht auf diese Weise wiederholte Tonfolge.
Das Experiment zeige, dass externe Stimulation im Schlaf komplexe Fähigkeiten verbessern könne, schreiben die Forscher der Northwestern University in Evanston im Fachmagazin „Nature Neuroscience“. Sie verstärke die Erinnerung an zuvor Gelerntes.
Dass sich Fremdsprachen oder andere Fertigkeiten einfach im Schlaf erlernen lassen, bleibe allerdings ein Mythos und sei nicht das, was man jetzt belegt habe, betont der an der Untersuchung beteiligte Paul Reber. „Der entscheidende Unterschied ist, dass hier die Erinnerung an etwas verbessert wird, was man schon gelernt hat.“ Wenn jemand das Gelernte erneut im Schlaf höre, reaktiviere dies die kürzlich gespeicherten Informationen.
In dem Experiment lernten 16 Teilnehmer zunächst, zwei verschiedene, zwölf Noten lange Melodien auf einer Klaviertastatur zu spielen. Auf einem Computerbildschirm zeigten ihnen farbige Kreise an, welche Töne jeweils gefordert waren. Nach der Übungssitzung legten sich alle Probanden für 90 Minuten schlafen. Dabei trugen sie eine Elektrodenkappe, über die Wissenschaftler ihre Hirnströme aufzeichneten. Dadurch konnten sie feststellen, wann die Versuchspersonen in die Tiefschlafphase glitten.
Während des Tiefschlafs spielten die Forscher einem Teil der Probanden eines der beiden Musikstücke leise über Kopfhörer vor - ohne dass die Versuchspersonen dies merkten oder davon wussten. Dem anderen Teil der Probanden wurde die andere Tonfolge vorgespielt. Am nächsten Tag mussten alle Teilnehmer erneut die beiden Musikstücke spielen. Bei der im Schlaf gehörten Melodie fiel dies den Probanden deutlich leichter als bei der anderen Tonfolge. Sie machten weniger Fehler und folgten dem vorgegebenen Rhythmus genauer, wie die Forscher berichten.
Es gebe schon länger Hinweise darauf, dass das Gehirn während des Schlafens tagsüber aufgenommene Informationen verarbeite und ins Gedächtnis übernehme, sagen Erstautor James Anthony und seine Kollegen. Eine kurze Schlafphase könne bereits dabei helfen, eine neu erlernte Fähigkeit zu verfestigen.