Rausschmiss ohne Abfindung und gute Worte
Baku, den 14. Mai (AZERTAG). Zum zweiten Mal in diesem Jahr muss sich Yahoo einen neuen Chef suchen. Scott Thompson soll das Unternehmen bereits verlassen haben - ohne die üblichen guten Wünsche und wohl auch ohne Abfindung.
Die US-Wirtschaft hat ihren „Fall Guttenberg“. Gerade mal fünf Monate nach seinem Antritt muss Scott Thompson seinen Hut als Yahoo-Chef nehmen. Dem 55-Jährigen wird wie dem ehemaligen deutschen Wirtschaftsminister eine frisierte Biografie zum Verhängnis. Anders als in seinem Lebenslauf aufgeführt, besitzt Thomson keinen Bachelor in Computerwissenschaften.
Hedgefonds-Manager Daniel Loeb, der 5,8 Prozent der Anteile an Yahoo hält, hatte den Fehler in Thompsons Biografie vor zehn Tagen aufgedeckt. Thompson hatte seinen angeblichen Abschluss vom Stonehill College in der Nähe Bostons bei der US-Börsenaufsicht SEC angegeben. Auch in Dokumenten seines früheren Arbeitgebers PayPal wurde der Abschluss genannt.
Yahoo hatte gehofft, Thompson trotz des fingierten Lebenslaufs halten zu können. Nachdem die Falschangabe öffentlich wurde, entschuldigte sich der Manager in einem Brief bei seinen Mitarbeitern. „Ich übernehme dafür die volle Verantwortung“, schrieb er.
Berichte: Thompson soll an Krebs erkrankt sein-Doch der Druck von Investor Loeb auf Thompson wurde zu groß. Seit Tagen drängte der Starinvestor den Yahoo-Chef zum Rückzug - auch weil Loeb eigene Pläne mit seiner Investition hatte.
Allerdings könnten auch persönliche Gründe eine Rolle für den Rücktritt gespielt haben. Das „Wall Street Journal“ berichtet, Thompson sei offenbar an Schilddrüsenkrebs erkrankt. Er habe erst vor wenigen Tagen von seiner Erkrankung erfahren.
Der angeschlagene Internetkonzern muss sich damit zum zweiten Mal in diesem Jahr einen neuen Chef suchen, es ist sogar bereits der vierte Vorstandswechsel binnen fünf Jahren. Und der erneute Wechsel kommt zur absoluten Unzeit.
Das Unternehmen aus dem Silicon Valley steht mächtig unter Druck. Bei der wichtigen Display-Werbung jagen ihm die Platzhirsche Google und Facebook aber immer mehr Marktanteile ab. Im vergangenen Jahr büßte Yahoo mehr als ein Fünftel seines Umsatzes ein.