Spektakulärer Giftmord-Prozess gegen Lady Macbeth
Baku, den 8.August (AZERTAG). Chinas Lady Macbeth: Die Frau des gestürzten Politbüro-Mitglieds Bo Xilai wird in einem Schauprozess des Mordes angeklagt. Sie soll den Tod eines britischen Geschäftspartners befohlen haben.
Blogger schreiben von „Madame Korruption“ oder „Chinas Lady Macbeth“. Andere nennen sie eine Komplizin, die für ihren Mann, den Politbürofunktionär Bo Xilai, zur Mörderin an einem Ausländer wurde. Die 52-jährige Bo Gu Kailai, die ihren Beruf für Bos politische Karriere aufgab, war einst eine prominente Anwältin. Sogar in Amerika gewann sie einen Prozess für ihre Klienten. Seit sie als Mörderin angeklagt ist, wird ihr 1998 erschienenes Buch „Ich habe in den USA gewonnen“ antiquarisch zu Rekordpreisen gehandelt.
Nun muss sie sich selbst in einem politischen Schauprozess in China verteidigen, den sie nicht gewinnen kann. Am Donnerstag beginnt das spektakuläre Verfahren vor einem Provinzgericht in Anhuis Hauptstadt Hefei.
Frau Bo ist zusammen mit Zhang Xiaojun, dem Haushälter der Familie, angeklagt. Er soll ihr bei der Ermordung des britischen Geschäftsmanns Neil Heywood am 15. November geholfen haben. Nur knapp neun Monate später hat Peking es jetzt eilig, der mutmaßlichen Giftmörderin den Prozess zu machen, um den Kollateralschaden des schwersten politischen Skandals seit Jahrzehnten zu begrenzen.
Bo Xilai wird verschont-Denn der mächtige Parteichef von Chongqing, Bo Xilai, ging mit seiner Frau zusammen unter. Im März, als er noch im Präsidium des Volkskongress saß, galt der 63-Jährige als Auserwählter für den Aufstieg in die Innere Führung der Weltmacht China. Er konnte damit rechnen, auf dem 18. Parteitag im Oktober in den Ständigen Ausschuss des Politbüros befördert zu werden.
Das gibt dem Skandal politische Brisanz. Noch am Schlusstag des Volkskongresses nahm Bo an allen Abstimmungen teil. Dann verschwand er plötzlich, angeblich verraten von dem ihm einst ergebenen Chongqinger Polizeichef Wang Lijun.
Drei Wochen nach dieser turbulenten Eröffnungsszene eines Politkrimis, der in Chinas Abgrund an Intrigen und Korruption blicken ließ, tagte am 10. April das Politbüro. Es suspendierte Bo wegen Verstoßes gegen die Parteidisziplin von allen Ämtern. Seine Frau und Polizeichef Wang wurden zu Kriminellen gestempelt.
Vor der Einäscherung Gewebeproben entnommen-Die geschockte Öffentlichkeit erfuhr nun, dass Polizeichef Wang in das US-Konsulat in Chengdu geflüchtet war, angeblich aus Angst vor Bo. Dann erst hatte er sich offenbar Pekings Staatssicherheit gestellt und über Bo und dessen Frau ausgepackt.
Dass sie eine Mörderin sei, habe er beweisen können. Als deren britischer Geschäftspartner Heywood in seiner Hotelsuite in Chongqing tot aufgefunden wurde, habe Wang - noch vor der Einäscherung - Gewebeproben entnehmen lassen, die einen Giftmord belegten. Vor Gericht soll nun bekannt werden, was im Hotelzimmer passierte.
Laut Anklage soll Frau Bo am 15. November 2011 mithilfe ihres Hausangestellten den 41-jährigen Heywood ermordet haben. Auslöser sei ein Geschäftsstreit gewesen und die Furcht, der Brite werde für ihren Sohn Bo Guagua „zur Gefahr“. Frau Bo habe gestanden, erfuhr Hongkongs „South China Morning Post“ von einem Staatsanwalt. Sie werde nicht wegen Korruption oder Geldwäsche angeklagt, das Verfahren also weiter entpolitisiert.