Wie Pferde ihre Lieblingsmenschen erkennen
Baku, den 20. April (AZERTAG). Tierfreunde ahnen es schon lange, jetzt scheint es bewiesen. Pferde sind wahre Meister im Erkennen von Menschen. Ein Experiment ergab, dass die Vierbeiner allein anhand von Geruch, Aussehen oder dem Klang der Stimme eine fremde von einer vertrauten Person unterscheiden können.
Der Hengst Black Beauty lernt im gleichnamigen Bestseller-Roman allerhand Menschen kennen. Das müde Gesicht eines Kutschers merkt er sich genauso gut wie die freundliche Stimme seines früheren Besitzers. Auch im echten Leben sollen Pferde ein außergewöhnlich gutes Gedächtnis haben. Einer neuen Studie zufolge können die Tiere ihre Reiter mit einem einzigen Sinnesorgan erkennen. Wenn sie Menschen nicht sehen können, sind sie immer noch in der Lage, sie am Geruch oder der Stimme zu erkennen.
Die Veterinärmedizinerin Jessica Frances Lampe von der schottischen University of Edinburgh und der Psychologe Jeffrey Andre von der James Madison University in Harrisonburg (US-Bundesstaat Virginia) haben ihre Versuche mit zwölf Springpferden im Alter von acht bis fünfzehn Jahren durchgeführt. „Wir haben festgestellt, dass Pferde ein cross-modales Erinnerungsvermögen haben“, schreiben Lampe und Andre im Fachmagazin „Animal Cognition“. „Das heißt, dass ihr Gehirn die Signale verschiedener Sinnesorgane zusammenfügen kann.“ Das fehlende Signal, also zum Beispiel das Aussehen, könne von den Signalen anderer Sinne kompensiert werden. Auch von Hunden, Rhesus- und Totenkopfaffen weiß man, dass sie über diese Fähigkeit verfügen.
Um das Erinnerungsvermögen der Pferde zu testen, führten die Forscher mehrere Versuche durch. Zunächst bekamen die Tiere im Stall Besuch vom Leiter des Hofes, der ihnen eng vertraut war, und von einer fremden Person. Beide streichelten die Pferde knapp eine Minute lang an Hals, Gesicht und Schulter, ohne etwas zu sagen, und verschwanden dann hinter einer Holzwand.