12.000 Jahre alte Felsmalereien in Saudi-Arabien entdeckt
Baku, 2. Oktober, AZERTAC
Ein Team von Wissenschaftlern hat in der Wüste Saudi-Arabiens lebensgroße Felszeichnungen von Kamelen, Gazellen und weiteren Tieren entdeckt. Die in den Fels geritzten Darstellungen stammen ihnen zufolge aus der Zeit vor rund 12.000 Jahren. Die Forscher gehen davon aus, dass sie einst mit einem keilförmigen Stein produziert wurden, sodass scharfe Linien entstanden sind.
„Um so viele Details in einen einzigen Stein zu gravieren, bedarf es großer Geschicklichkeit“, sagte die an der Entdeckung beteiligte Archäologin Maria Guagnin vom Max-Planck-Institut für Geoanthropologie in Jena. Die Ergebnisse der Untersuchung wurden am Dienstag in der Zeitschrift „Nature Communications“ veröffentlicht.
Die rund 60 Felsmalereien in der Nefud-Wüste im Norden Saudi-Arabiens erstrecken sich den Angaben zufolge über ein Gebiet von etwa 30 Kilometer Länge. Sie zeigen mehr als 130 Tierdarstellungen – vor allem Kamele, aber auch Steinböcke, Gazellen, Wildesel und einen Auerochsen, der als wilder Vorfahre des heutigen Hausrinds gilt. Einige der Kamelgravuren seien mehr als zwei Meter hoch und 2,60 Meter lang gewesen, berichten die Forschenden.
„Sie müssen die Landschaft unglaublich gut gekannt haben“ - Das Team bestimmt das Alter der Zeichnungen mittels einer Technik namens Lumineszenzdatierung und untersuchte mit ihr einfache Steinwerkzeuge, mit denen die Felskunst hergestellt wurde. Die Daten legten nahe, dass die Region rund 2000 Jahre früher besiedelt gewesen sein muss als bislang gedacht. „Die Ergebnisse zeigen, dass sich Gemeinschaften in Wüstengebieten viel früher etablieren konnten als bisher angenommen“, sagte Guagnin. „Sie müssen die Landschaft unglaublich gut gekannt haben.“
Offenbar dienten die Zeichnungen nicht oder nicht nur der Ästhetik, sondern hatten auch einen praktischen Zweck, wie Guagnin weiter erläuterte. Zu sehen seien oft männliche Kamele in der Brunftzeit, erkennbar an der Anspannung der Nackenmuskulatur. Die Brunft der Tiere finde üblicherweise zur Regenzeit statt. „Die Felsmalereien stellen also eine Verbindung zur Regenzeit dar und markieren Stellen, an denen sich Wasser sammelt.“
Während des Höhepunkts der letzten Eiszeit vor rund 20.000 bis 25.000 Jahren war die Arabische Halbinsel so trocken, dass es auf ihr keine bekannte menschliche Besiedlung gab. Erst vor 15.000 Jahren begann allmählich eine Periode mit mehr Niederschlägen. Die Entdeckung der Felsmalereien ist für die Wissenschaftler ein Beleg für die Anpassungsfähigkeit von Menschen.
Unklar ist den Angaben zufolge noch, wie die Menschen während der Trockenperioden überlebten. Denkbar sei, dass sie Wasser aus flachen Tümpeln bezogen, die die Hitze überstanden. Auch Felsspalten kämen als Wasserquelle in Betracht.