Australien will Bootsflüchtlinge in Lager sperren
Canberra, den 8. September (AZERTAG). Hunderte Flüchtlinge landen Monat für Monat mit dem Boot in Australien, nun startet die Regierung in Canberra eine radikale Kampagne zur Abschreckung. Illegale Einwanderer, die erwischt werden, sollen in ein Straflager. Menschenrechtler sind entsetzt.
Ein schwankender Kahn dümpelt vor sich hin, der blaue Lack ist abgeplatzt. Auf dem Boot stehen Männer mit Stofffetzen um den Kopf gewickelt, Kinder und Frauen sitzen auf dem Vordeck. Auch ein Soldat ist zu sehen. Dazu spricht eine Stimme: „Es gibt keinen Vorteil, einen Schmuggler zu bezahlen und sich mit dem Boot nach Australien bringen zu lassen.“ Es folgen Bilder karger Notunterkünfte, überfüllte Boote, immer wieder der Slogan: „Es gibt keinen Vorteil.“
Das Video ist Teil einer Kampagne, mit der die australische Regierung Flüchtlinge und Asylsuchende davon abhalten will, sich auf die gefährliche und teure Überfahrt mit illegalen Flüchtlingsbooten in Richtung des Kontinents aufzumachen - gemeinsam mit einer Neuregelung der Asylgesetze sollen so die Flüchtlingsströme in das Land gestoppt werden.
In einem Eilverfahren hatte die australische Regierung das Gesetz verabschiedet, das die Flüchtlingspolitik in dem Land von heute auf morgen umkehrt. Bootsflüchtlinge sollen in Zukunft in Lagern auf dem abgeschiedenen Inselstaat Nauru und in Manus in Papua-Neuguinea untergebracht werden, also außerhalb des australischen Staatsgebiets. Dort sollen sie bis zu fünf Jahre festgehalten werden, in der Zwischenzeit wird über ihren Asylantrag entschieden. Eine illegale Einreise mit dem Boot hätte dann gegenüber einem regulären Asylantrag keine Vorteile mehr.
Die Botschaft ist klar, nach Australien kommt man nicht mehr: „Wer in ein Boot steigt, wird nach Nauru oder Papua-Neuguinea gebracht“, sagte Premierministerin Julia Gillard. Stattdessen sollen die Asylsuchenden einen regulären Visa-Antrag stellen.