China: Gu Kailai zur Todesstrafe auf Bewährung verurteilt
Peking, den 20. August (AZERTAG). Ein chinesisches Gericht hat Gu Kailai, die Frau des entmachteten Spitzenpolitikers Bo Xilai, wegen Mordes zu einer sogenannten aufgeschobenen Todesstrafe verurteilt. Das gaben der Anwalt der Familie des Mordopfers und die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua bekannt.
Wenn sich die 53 Jahre alte Anwältin innerhalb von zwei Jahren nichts zuschulden kommen lässt, kann die Todesstrafe in eine lebenslange Haftstrafe oder eine Gefängnisstrafe von bis zu 25 Jahren umgewandelt werden. Nach einem Bericht der Zeitung Yanzhao Metropolis Daily von 2006 wird eine Todesstrafe, deren Vollstreckung ausgesetzt ist, äußerst selten vollzogen. Stattdessen verbringen die Verurteilten im Durchschnitt 18 Jahre im Gefängnis.
Gu Kailai hatte am 9. August in einer nur sieben Stunden dauernden Verhandlung im ostchinesischen Hefei zugegeben, den britischen Geschäftsmann Neil Heywood vergiftet zu haben. Ihr mitangeklagter Assistent Zhang Xiaojun muss wegen Beihilfe zum Mord für neun Jahre ins Gefängnis.
Der Mann von Gu Kailai der ehemalige chinesische Spitzenpolitiker Bo Xilai, hatte vor dem Machtwechsel in der Kommunistischen Partei Chinas im Herbst gute Chancen auf eines der höchsten Ämter gehabt. Doch die Mordaffäre beendete im April seine politische Karriere abrupt. Der prominenteste Vertreter der "Neuen Linken" in China fiel aus allen Ämtern und stürzte die Partei in eine innenpolitische Krise. Bo Xilai muss sich nun einer parteiinternen Untersuchung wegen "Verstößen gegen die Parteidisziplin" stellen.
In Chinas spektakulärsten Prozess der letzten Jahrzehnte hatte es einige Ungereimtheiten gegeben. Einige Beobachter zweifeln das Mordmotiv Gu Kailais an. Neil Heywood soll nach geschäftlichen Streitigkeiten Drohungen gegen Gu Kailais Sohn ausgestoßen haben, sie habe diesen mit dem Mord retten wollen, hieß es. Umstritten ist auch, seit wann sich Gu Kailai und Neil Heywood kannten. Das Gericht ging laut Xinhua davon aus, dass sich beide seit 2005 kennen, nach britischen Medienberichten arbeiteten sie aber bereits seit den 1990er-Jahren zusammen. Heywood war im November 2011 in einem Luxushotel der zentralchinesischen Stadt Chongqing tot aufgefunden worden.
Großbritannien begrüßte das Gerichtsverfahren. "Wir begrüßen, dass die chinesischen Behörden zum Tod von Neil Heywood ermittelt und diejenigen verurteilt haben, die als Verantwortliche identifiziert wurden", teilte die britische Botschaft in Peking nach der Urteilsverkündung mit. Zugleich habe Großbritannien immer wieder deutlich gemacht, dass der Prozess entsprechend der Standards internationaler Menschenrechte vollzogen werden müsse und den Wunsch geäußert, dass die Todesstrafe nicht verhängt wird.