Chinesische Investoren kaufen halb Afrika auf
Baku, den 19. Juli (AZERTAG). Während Europa die Hilfe für Afrika oft auf den Bau von Schulen und Krankenhäusern beschränkt, dreht China am ganz großen Rad. Das Land investiert Milliarden und sichert sich so Einfluss.
Es gibt Menschen, denen der Zustand der afrikanischen Straßen buchstäblich Kopfschmerzen bereitet. Sie sitzen ganz hinten in dem rostigen Bus, der sich langsam durch die Serpentinen des äthiopischen Hochlands quält. Alle paar Minuten lässt eine Unebenheit das Heck des Busses hüpfen, und die Passagiere werden so hoch in die Luft geworfen, dass ihre Köpfe mit einem dumpfen Geräusch gegen die Decke stoßen.
Stundenlang geht das so. Doch kurz vor der Kleinstadt Dabat hat der Bus auf einmal neuen, ebenen Asphalt unter den Reifen. Am Straßenrand steht ein Mann mit asiatischem Bambushut und winkt den Passagieren zu. Er ist Vorarbeiter der chinesischen Firma, die im Auftrag der äthiopischen Regierung diese Straße, eine der Hauptverkehrsadern des Landes, befahrbar macht. Den Rest der Strecke fährt der Bus mit doppelter Geschwindigkeit — und die Fahrgäste lächeln dankbar.
So einfach lässt sich der Unterschied beschreiben, den chinesische Investitionen in Afrika machen. Schon heute ist die Volksrepublik der wichtigste Handelspartner des Kontinents, und in Zukunft soll noch viel mehr chinesisches Geld dorthin fließen. Dies verkündete Staatschef Hu Jintao beim fünften chinesisch-afrikanischen Gipfel (FOCAC) in der großen Halle des Volkes in Peking.
Neue Milliarden-Kredite-50 afrikanische Staatschefs waren seiner Einladung gefolgt. Sie durften sich anhören, wie Hu die neue Allianz China-Afrika in den nächsten drei Jahren wirtschaftlich, politisch und international zementieren will. Peking werde Afrika, dem es seit 2006 schon 15 Mrd. US-Dollar an Vorzugskrediten einräumte, bis 2015 weitere Kredite für 20 Mrd. Dollar bereitstellen — für Projekte der Infrastruktur, Agrarentwicklung und Industrie-Verarbeitung.
Seitdem sich Europäer und die USA von 2009 an in Krisen verstricken, hat sich der chinesisch-afrikanische Handel in nur drei Jahren verdreifacht. Vor dem Wirtschaftsforum des Afrika-Gipfels zog Premier Wen Jiabao Bilanz: Bis Juni 2012 hätte China 45 Mrd. Dollar in Afrika investiert, vor allem in Finanz-, Bergbau- und Rohstoffbeteiligungen.
Der Wirtschaftsaustausch stieg 2011 auf ein Rekordvolumen von umgerechnet 135,3 Mrd. Euro. China exportiert in erster Linie Infrastruktur und billige Industrieprodukte nach Afrika.
Die chinesischen Investitionen sind vielerorts bedeutsamer als westliche Hilfsgelder geworden. Die Chinesen bringen mit, was Afrika braucht, schwärmen afrikanische Politiker: Geld für Unternehmen, für Staatshaushalte, für die Infrastruktur. Das europäische und amerikanische Engagement hingegen habe Afrika nicht vorangebracht.