Der Killer, der aus dem Stall kommt
Baku, den 6. Juli (AZERTAG). 2,5 Milliarden erkrankte Menschen im Jahr, fast drei Millionen Todesfälle: Infektionen, die von Tieren auf Menschen überspringen können, sind weltweit erschreckend häufig. Am größten ist das Problem durch die sogenannten Zoonosen in Indien und Afrika - doch auch Europa bleibt nicht verschont.
Zoonose - das Wort zählt sicher nicht zu den bekanntesten Fachbegriffen. Dabei sind diese Krankheiten, ausgelöst von Erregern, die Menschen sowie eine oder mehrere Tierarten gleichermaßen infizieren können, extrem weit verbreitet. Einem aktuellen Bericht zufolge sind die 56 häufigsten Zoonosen pro Jahr für 2,5 Milliarden Krankheitsfälle bei Menschen verantwortlich. 2,7 Millionen sterben an den Folgen dieser Infektionen. Am stärksten betroffen sind Viehzüchter in Afrika und Asien.
Das International Livestock Research Institute (ILRI) hat zusammen mit dem Institut of Zoology (Großbritannien) und der Hanoi School of Public Health (Vietnam) den Bericht über die weltweite Verbreitung von Zoonosen erstellt. Eines der Ziele war dabei, die Länder zu finden, in denen ein gezielter Kampf gegen die Krankheiten am sinnvollsten ist.
60 Prozent aller Krankheiten, die Menschen treffen, fanden sich ursprünglich bei Tieren, erklärt das ILRI. Die Erreger werden meist von Nutztieren wie Schweinen oder Hühnern übertragen, ein Teil jedoch auch von Wildtieren. In wenigen Fällen verrät der Name die Zoonose beziehungsweise den Erreger: bei der Schweinegrippe etwa oder beim Fuchsbandwurm.
Ein Teil wird in erster Linie durch verseuchte Lebensmittel weitergetragen wie Salmonellen, an denen auch in Deutschland zahlreiche Menschen erkranken. Im Jahr 2011 waren es nach Angaben des Robert Koch-Institus 24.500. Andere werden direkt vom erkrankten Tier auf den Menschen übertragen, in Deutschland ist dies etwa beim Hantavirus der Fall. Diese Form der Übertragung passiert aber vor allem dort, wo Viehzüchter und ihre Tiere eng zusammenleben, also in den Entwicklungs- und Schwellenländern Afrikas und Asiens.
Dort ist unter anderem Brucellose noch immer weit verbreitet, eine von Bakterien verursachte Krankheit, die bei Menschen zwar oft keine deutlichen Symptome auslöst, sich aber durch Fieber, Schüttelfrost, Übelkeit und starke Kopfschmerzen bemerkbar machen kann und in seltenen Fällen dauerhafte Gesundheitsprobleme verursacht. Die Wissenschaftler schätzen, dass in armen Staaten etwa zwölf Prozent des Viehbestands an Brucellose leiden oder kürzlich gelitten haben. Dadurch sinke die Milch- und Fleischproduktion von Rindern um acht Prozent. Mehr als jedes vierte Tier sei dort mit Bakterien (zum Beispiel Salmonellen und Campylobacter) infiziert, die über Lebensmittel weitergegeben werden können.