Die Rohstoffmärkte versinken im afrikanischen Blut
Baku 25. August (AZERTAG). Das Massaker an der Lonmin-Mine in Südafrika erschüttert die Rohstoffmärkte. Noch immer streiken 3000 Arbeiter für mehr Geld. Die Folgen davon sind bereits weltweit zu spüren.
Sam Ramohayes Blechhütte hat keine Fenster. Kaum eine der Baracken von Wonderkop weist diesen Luxus auf, ihr Bau würde sonst umgerechnet 220 Euro statt 160 Euro kosten. Und nachts entweicht die Wärme durch Fenster noch schneller als durch die Ritzen des Blechs.
Das Licht der aufgehenden Sonne scheint durch die Tür, erleuchtet das Bett und die alte Farbeimer, in denen er Geschirr und Kleidung verstaut hat. Man kann die Eimer verschließen, nur so ist der Inhalt vor dem roten Staub geschützt, auf dem die Hütte steht.
Ramohaye geht nach draußen, setzt sich auf eine Holzbank. Ein paar Nachbarn setzen sich zu ihm. „Papa“, wie sie den 62 Jahre alten Minenarbeiter nennen, sehe noch dünner aus als sonst, sagen sie. Die Schultern hängen schlaff herunter, die Augen liegen tief in ihren Höhlen.
„Ich bekomme die Bilder nicht aus meinem Kopf“, sagt Ramohaye. Er gehört zu den streikenden Arbeitern des Lonmin-Platinmine in Marikana, 100 Kilometer nordwestlich von Johannesburg.
Der blutigste Arbeitskampf der jüngeren Geschichte Südafrikas-Als die Polizei vor zehn Tagen das Feuer auf streikende Kumpel eröffnete, entkam er den Kugeln knapp. 34 Bergarbeiter aber, einige davon seine Freunde, starben bei dem blutigsten Arbeitskampf in Südafrikas demokratischer Geschichte.
Noch immer versammeln sich jeden Tag rund 3000 Arbeiter auf dem ausgedörrten Feld, auf dem Ramohayes Freunde starben. Es ist nur wenige Minuten vom Bergwerk entfernt. Sie kommen bei Sonnenaufgang und bleiben, bis die Sonne wieder verschwunden ist.
Kirchenführer und Politiker waren hier, Präsident Jacob Zuma versuchte die Massen zu beruhigen. Populisten wie der ehemalige Jugendliga-Chef der Regierungspartei African National Congress (ANC) heizen die Stimmung dagegen an.
Ein Ende des Streiks ist nicht in Sicht. Die Forderung von monatlich 12.500 Rand (1190 Euro) für die „Rock-Drill-Operator“, die Arbeiter an den Bohrern, bleibt bestehen - unerfüllbar, es wäre das Zwei- bis Dreifache der bisherigen Löhne.