Elefantendamen arbeiten mit Hormontrick
Baku, den 21. Juni (AZERTAG). Fast zwei Jahre ist eine Elefantenkuh trächtig. Wie die Tiere das machen, war bislang ein Rätsel. Biologen entdeckten nun, dass eine gesteigerte Eizellenproduktion den Dickhäutern die lange Tragezeit ermöglicht. Der Nachwuchs profitiert - sein Gehirn ist bei der Geburt schon sehr weit gereift.
Stolze 22 Monate braucht es, bis eine Elefantenkuh ihren Nachwuchs auf die Welt bringt - damit dauert die Schwangerschaft länger als bei jedem anderen Tier. Wie die Rüsseltiere eine so lange Tragezeit physiologisch bewerkstelligen, war Wissenschaftlern lange ein Rätsel.
Ein deutsch-kanadisches Forscherteam hat nun mittels Ultraschall und Hormonmessungen herausgefunden, wie die Dickhäuter es anstellen. In den Eierstöcken der Elefantendamen reifen immer mehrere Eizellen gleichzeitig zu sogenannten Gelbkörpern heran. Diese geben während der gesamten Schwangerschaft das Hormon Progesteron ab. Es passt die Gebärmutter an die Bedürfnisse des Ungeborenen an und macht so die lange Tragezeit erst möglich, wie die Wissenschaftler im Fachmagazin „Proceedings of the Royal Society B“ berichten.
Wird die Eizelle nicht befruchtet, schrumpft der Gelbkörper zusammen und hört auf, Progesteron zu produzieren. Als Folge wird die Gebärmutterschleimhaut abgestoßen und die Menstruation beginnt. Wird die Eizelle befruchtet, bleibt der Gelbkörper dagegen erhalten und produziert in den ersten fünf bis sechs Schwangerschaftswochen weiterhin Progesteron. Danach übernehmen andere Organe die Hormonproduktion, beim Menschen beispielsweise die Plazenta.
Woher aber das Elefantenweibchen das Hormon für ihre lange Tragezeit bekomme, sei bisher unklar gewesen, sagen die Forscher. Denn weder ihre Plazenta noch der Embryo produzierten ausreichend Progesteron. Jetzt habe man festgestellt, dass die bis zu sechs zusätzlichen Gelbkörper diese Aufgabe übernehmen.
Die Forscher hatten für ihre Studie die Schwangerschaft von 15 Asiatischen und 2 Afrikanischen Elefantenkühen verfolgt und dabei regelmäßig Ultraschalluntersuchungen der Eierstöcke und der Gebärmutter sowie Hormonmessungen durchgeführt.