Empörung über neuen Baby-Test
Baku, den 5. Juli (AZERTAG). Gerade erst entzifferten Forscher das Genom eines ungeborenen Kindes nur aus dem Blut der Mutter und dem Speichel des Vaters - da legt ein weiteres Team nach: Sein Test benötigt nur noch das Blut der Mutter. Ethiker fürchten eine Selektion behinderter Babys.
Die Möglichkeiten, ein Kind im Mutterleib zu untersuchen, vereinfachen sich: Schon bald kommt in Deutschland ein erster Test auf den Markt, um Trisomie 21, also Down-Syndrom, bei Embryos zu erkennen - eine riskante Fruchtwasseruntersuchung ist nicht mehr nötig.
Und während Mediziner, aber auch Ethiker, Politiker und Betroffene diskutieren, ob dies einen Segen für werdende Eltern oder eine Diskriminierung von Behinderten darstellt - heute wird dazu ein Gutachten des Behindertenbeauftragten der Bundesregierung vorgestellt -, präsentieren kalifornische Wissenschaftler schon die nächste Entwicklung.
Sie haben das Erbgut eines ungeborenen Kindes analysiert - ganz ohne den bislang nötigen Eingriff im Mutterleib. Damit stellt eine zweite US-Gruppe innerhalb eines Monats die Grundzüge eines Tests vor, mit dem Eltern ihren Nachwuchs künftig auf viele Krankheiten untersuchen lassen könnten.
Beide Methoden unterscheiden sich in einem Punkt: Während das erste Team von der Universität Washington in Seattle die DNA aus dem Speichel des Vaters einbezog, fanden die Forscher um Stephen Quake und Christina Fan von der Stanford University einen Weg, ohne die genetische Information des Vaters auszukommen. Wie die Genetiker im Wissenschaftsmagazin „Nature“ berichten, untersuchten sie dafür die mütterliche DNA im Blutplasma, in der auch zu einem geringen Anteil die Erbsubstanz des Ungeborenen zu finden ist, und zählten bestimmte DNA-Abschnitte auf den Chromosomen.
Zählmethode mit Rückschlüssen-Das Stanford-Team hatte zuvor bereits ein Verfahren für einen Down-Syndrom-Bluttest entwickelt. In Deutschland wird die Firma Lifecodexx mit Sitz am Bodensee in den nächsten Tagen den PraenaTest auf den Markt bringen, der ebenfalls im mütterlichen Blut DNA-Schnipsel des Kindes aufspürt. Diese geben Hinweise auf das Chromosom 21. Kommt dieses nicht zwei-, sondern dreifach vor, hat das Ungeborene Trisomie 21, ein Down-Syndrom.
Nicht nur dieses Verfahren beruht auf der Tatsache, dass kindliches Erbgut im Blut der Schwangeren zu finden ist. Die kalifornischen Wissenschaftler nutzten diese Methode nun, um Rückschlüsse auf das gesamte Genom des Fetus zu ziehen. Normalerweise hat jeder Mensch jeweils zwei Chromosomen eines Typs, die Gene liegen also in doppelter Version vor. Davon übertragen Vater und Mutter jeweils eine Version auf ihr Kind.
Eine Gruppe von DNA-Mustern auf einem Chromosom, die zusammen vererbt wird, wird Haplotyp genannt. Die Forscher untersuchten diese DNA-Merkmale und zählten sie. Die Idee dahinter: Jene Haplotypen, die von der Mutter auf das Kind übergegangen sind, müssen in ihrem Blut überrepräsentiert sein. Sie sind sowohl in ihrem eigenen Erbgut zu finden als auch zu Teilen in dem des Kindes. Genmaterial, das nicht von der Mutter stammt, gehört demnach zum Vater oder muss durch neue Mutationen entstanden sein.