Erste freie Wahl in Libyen seit mehr als einem halben Jahrhundert
Baku, den 7. Juli (AZERTAG). Für die Libyer ist es ein historischer Tag. Knapp ein Jahr nach dem Sturz von Machthaber Gaddafi hat die erste freie Wahl seit mehr als einem halben Jahrhundert begonnen. Im Osten des Landes kam es vor Beginn des Urnengangs jedoch zu Störversuchen.
Begleitet von vereinzelten Störversuchen von Protestgruppen hat am Samstag in Libyen die erste Parlamentswahl seit mehr als vier Jahrzehnten begonnen. Vor Wahllokalen in der Hauptstadt Tripolis bildeten sich bereits am frühen Morgen Warteschlangen. Analog zum Ruf der libyschen Revolutionäre „Erhebe dein Haupt, du bist ein freier Libyer!“ fotografierten einige Wähler nach der Stimmabgabe ihre mit Tinte aus dem Wahllokal gefärbten Finger, und jubelten: „Erhebe deinen Finger, du bist ein freier Libyer!“.
Vor Beginn des Urnengangs war es rund um die östliche Metropole Bengasi zu einzelnen Protestaktionen und Angriffen von Föderalisten und Anhängern des alten Regimes von Muammar el Gaddafi gekommen. Das Nachrichtenportal „Qurayna“ meldete, in Gaminis, 45 Kilometer westlich von Bengasi, seien drei Wahllokale verwüstet worden. Am Freitag hatten Gegner des Urnengangs einen Hubschrauber der Wahlkommission in Bengasi beschossen. Nach Angaben eines Regierungssprechers starb ein Mitarbeiter der Kommission.
Die Libyer wählen einen Allgemeinen Nationalkongress mit 200 Abgeordneten. 120 Mandate werden an Direktkandidaten vergeben, 80 Sitze gehen an die Kandidaten politischer Bündnisse.
Der Allgemeine Nationalkongress löst den Übergangsrat ab, der sich während der Revolution im vergangenen Jahr gebildet hatte. Die Abgeordneten sollen eine Übergangsregierung ernennen und die Wahl einer verfassunggebenden Versammlung vorbereiten. Mit den ersten Ergebnissen aus einzelnen Städten wird frühestens am Sonntag gerechnet.
Ähnlich wie in Tunesien und Ägypten könnten Experten zufolge auch in Libyen vor allem islamistische Parteien bei der Wahl zum Zuge kommen.