Japan fährt weiteren Reaktor hoch
Baku, den 18. Juli (AZERTAG). Die umliegenden Gemeinden und Provinzregierungen hatten sich lange dagegen gesträubt - doch nun hat der Energiekonzern Kansai Electric Power einen weiteren Block im Atomkraftwerk Oi wieder hochgefahren. Es ist der zweite Reaktor-Neustart in Japan nach der Fukushima-Katastrophe.
Es ist eine langsame Rückkehr zur Normalität. In Japan hat ein Energiekonzern am Mittwoch trotz heftiger Proteste von Atomgegnern einen weiteren Reaktor hochgefahren. Es ist der zweite Meiler, der nach der Atomkatastrophe von Fukushima wieder in Betrieb genommen wurde. Wie die Nachrichtenagentur Kyodo meldete, soll der Reaktor 4 im AKW Oi ab Samstag Energie ins Netz einspeisen und bis zum 25. Juli seine volle Leistung erreichen.
Die Betreiberfirma Kansai Electric Power hatte bereits am 1. Juli einen Reaktor in dem Kraftwerk wieder hochgefahren. Eine Woche später produzierte er dann den ersten Strom. Bis zum Unglück in Fukushima hatten Atomkraftwerke in Japan rund 30 Prozent des Elektrizitätsbedarfs gedeckt. In der Folge der Erdbeben- und Tsunamikatastrophe vom März 2011 waren aber alle 50 Meiler abgeschaltet worden. Zudem mussten Reaktoren in weiter entfernten Gebieten wegen Wartungsarbeiten vom Netz gehen.
Die umliegenden Gemeinden und Provinzregierungen hatten ein Wiederanfahren der Reaktoren in Oi aus Sorge um ihre Sicherheit zunächst abgelehnt. Doch angesichts der wiederholten Warnungen der Atomindustrie und Japans Regierung vor drohenden Stromausfällen in der Industrieregion Osaka gaben sie ihren Widerstand auf. Dennoch gibt es in der japanischen Gesellschaft mittlerweile merklichen Widerstand gegen die Technologie. Am Montag hatten in Tokio 170.000 Menschen für ein Ende der Atomkraft in Japan protestiert. Kritiker warnen vor allem vor der Gefahr durch erneute schwere Erdbeben.
In Fukushima gehen währenddessen die mühsamen Aufräumarbeiten weiter. Die Betreiberfirma begann am Mittwoch damit, die ersten Brennstäbe aus dem Abklingbecken des Reaktors 4 zu holen. Sie sollen nun in die sicherere Umgebung eines Zwischenlagers gebracht werden. Das Abklingbecken und sein Inhalt gelten als hohes Sicherheitsrisiko. Allerdings wurden bislang erst zwei der insgesamt 1535 Brennstäbe mit großen Kränen bewegt. Es bleibt also noch viel zu tun.