Physiker warnen vor Super-Sonnensturm
Baku, den 14. Juli (AZERTAG). Ein Sonnensturm hat am Samstag die Erde getroffen, für die kommenden Monate sagen Forscher weitere vorher. Irgendwann könnte es einen Supersturm geben, mit der Gefahr katastrophaler Stromausfälle auf der Erde.
Am Donnerstag, dem 1. September 1859, stieg Richard Carrington, ein 33-jähriger Brauer und Amateurastronom, in der Nähe von London die Treppe zu seiner privaten Sternwarte hinauf. Er zeichnete gerade Sonnenflecken nach, da erschienen inmitten dieser Flecken „zwei intensiv gleißende Lichtpunkte“. Carrington hatte eine gewaltige Eruption auf der Sonne beobachtet.
Ein Ausbruch der Carrington-Klasse ereignet sich vermutlich nur alle paar Jahrhunderte. Aber schon viel kleinere Sonnenstürme können heute beträchtliche Schäden anrichten, weil die Menschen immer stärker auf Technik angewiesen sind, die im Weltraum stationiert ist.
Sonnenstürme stören die Ionosphäre, eine Atmosphärenschicht mehr als hundert Kilometer über der Erdoberfläche. Die Piloten der rund 11.000 Passagierflüge, die jedes Jahr die Nordpolarregion überqueren, sind dort auf den Kurzwellenfunk angewiesen, denn die Kommunikationssatelliten sind über dem Äquator stationiert und erreichen die Polarregion nicht. Doch wenn das Weltraumwetter die Ionosphäre aufwühlt, beeinträchtigt dies den Kurzwellenfunkverkehr, und die Piloten müssen ihren Kurs ändern.
Das kann für einen einzigen Flug bis zu 80.000 Euro kosten. Auch die Signale von Navigationssatelliten werden durch das Durcheinander in der Ionosphäre gestört. Landvermesser können dann Feierabend machen, schwimmende Ölplattformen haben es schwer, ihre Position zu halten, Piloten dürfen sich nicht mehr auf ihr Navigationssystem verlassen.
Sogar die Umlaufbahnen der Satelliten werden durch das UVLicht der Sonneneruptionen beeinträchtigt: Es heizt die Atmosphäre so sehr auf, dass der Luftwiderstand zunimmt. Nach Schätzungen der Nasa verliert die Internationale Raumstation „ISS“ bei verstärkter Sonnenaktivität jeden Tag rund 300 Meter Höhe.
Und nicht zuletzt legen Sonnenstürme auch die Elektronik von Kommunikationssatelliten lahm - katastrophal für eine Welt, deren Wirtschaft und Gesellschaftsleben ohne Handys kaum mehr denkbar ist.