Röntgenanalyse macht antike Münzen sichtbar
Baku, den 12. Juli (AZERTAG). Einzelne Geldstücke sind zu erkennen, darauf Porträts römischer Herrscher. Doch der Schatz klebt noch als ein Klumpen zusammen, es würde Monate dauern, die Münzen voneinander zu lösen. Britische Archäologen lösten das Problem - und verschafften sich per CT-Scan schnelle Erkenntnisse.
Sie untersuchen Flugzeugbauteile, durchleuchten Proben, um das Wachstum von Pflanzenwurzeln zu verfolgen - und machen jetzt einzelne antike Münzen sichtbar, die noch in einem einzigen Klumpen zusammenkleben. Forscher der University of Southampton durchleuchten per Computertomografie (CT) aktuell mehrere Münzschätze, die in Großbritannien entdeckt wurden. Zusammen mit dem Britischen Museum wollen sie so eine Methode etablieren, die es ermöglicht, archäologische Artefakte auch dann zu analysieren, wenn man sie nicht komplett freilegt.
Die Forscher durchleuchten ihre Proben mit Röntgenstrahlen. Wie bei medizinischen CT-Aufnahmen dreht sich dabei die Röntgenquelle. In kurzer Zeit entstehen Tausende zweidimensionaler Aufnahmen, am Computer wird daraus ein 3D-Bild zusammengesetzt.
Wie das funktioniert, zeigen Aufnahmen eines Münzfundes aus Yorkshire, der aus dem zweiten Jahrhundert stammt. Es handelt sich um ein Gefäß, das einige römische Münzen enthielt. Der Scan zeigt klar die Inschriften auf einigen Geldstücken, zum Teil sind auch die Köpfe römischer Herrscher erkennen. Anhand der Bilder konnten Archäologen die Münzen identifizieren. Anschließend legten sie den Schatz mit herkömmlichen Methoden frei, um zu überprüfen, ob der CT-Scan tatsächlich zum richtigen Ergebnis geführt hatte.
Nicht nur bei Münzfunden nützlich-„Eine einzelne Münze auszugraben und zu reinigen kann Stunden oder sogar Tage dauern“, sagt Graeme Earl, Archäologe an der University of Southampton. „Diese Technologie gibt uns die Möglichkeit, sie schnell zu untersuchen und zu identifizieren.“
Die Methode ist keineswegs auf Münzfunde beschränkt. Beispielsweise untersuchen die Forscher auch eine Urne, die neben neun Geldstücken, die im Jahr 282 geprägt wurden, auch Knochenfragmente enthält. Es würde Monate dauern, den Inhalt der Urne mit herkömmlichen Methoden zu untersuchen, so die Universität.
Die Spezialisten in Southampton sind natürlich nicht die einzigen Forscher, die mit Hilfe verschiedenster Röntgenanalysen fürs bloße Auge Unsichtbares sichtbar machen. So berichteten Wissenschaftler vom Deutschen Elektronen-Synchrotron (Desy) kürzlich, dass sie unter einem von Vincent van Gogh gemalten Stillleben die Zeichnung zweier Ringer entdeckt haben. Und auch Paläontologen profitieren von solchen Analysen, etwa wenn dadurch das im Stein verborgene Bein einer fossilen Schlange entdeckt wird.