Südafrikanische Bergarbeiter wollen Proteste beenden
Baku, den 19. September (AZERTAG). Es war einer der schlimmsten Fälle von Polizeigewalt seit dem Ende der Apartheid. Rund fünf Wochen haben die blutigen Aufstände in der südafrikanischen Platin-Grube angedauert. Nun haben die streikenden Bergleute einer Lohnerhöhung zugestimmt.
Die Proteste dauerten etwa fünf Wochen und forderten 45 Menschleben. Jetzt haben die streikenden Bergarbeiter der südafrikanischen Platin-Grube Marikana nach eigenen Angaben einer Lohnerhöhung zugestimmt - und ein Ende ihres wochenlangen Ausstands angekündigt. Die Arbeiter seien „sehr zufriede“ mit dem jüngsten Angebot, sagte der anglikanische Bischof Jo Seoka, im Arbeitskampf in Marikana vermittelt. Die Bergleute würden die Arbeit an diesem Donnerstag wieder aufnehmen, hieß es weiter.
Dem Bericht zufolge soll der harte Kern der Streikenden - die Bergleute, die die Gesteinsbohrer bedienen - 22 Prozent mehr Lohn bekommen. Für die anderen sei eine Lohnerhöhung von elf Prozent vorgesehen. Alle Arbeiter, die am Donnerstag wieder an die Arbeit zurückkehren, sollen zudem eine Bonuszahlung erhalten. Nach Angaben der Streikenden erhielt ein einfacher Arbeiter bislang einen Monatslohn von 4500 südafrikanischen Rand (420 Euro).
„Ihr habt als Arbeiter gewonnen“, rief Bischof Seoka rund 5.000 Streikenden zu, die sich in einem Stadion versammelt hatten. Daraufhin seien die Menschen seien in Jubel ausgebrochen und hätten ausgelassen getanzt, hieß es in Berichten.
Seoka kündigte an, sich noch einmal mit dem Lonmin-Management an den Verhandlungstisch setzen zu wollen, um die Abmachung umzusetzen. Im Oktober werde es dann weitere Treffen geben, bei denen weitere Lohnerhöhungen ausgehandelt werden könnten, sagte der Geistliche. Ein Sprecher des Bergbauunternehmens Lonmin sagte indes, er könne die Berichte über eine Einigung und ein Ende des wilden Streiks nicht bestätigen.
Der Arbeitskampf in der 70 Kilometer nordwestlich von Johannesburg gelegenen Mine Marikana hatte am 10. August begonnen. Der Konflikt erreichte am 16. August einen blutigen Höhepunkt, als in einem der schlimmsten Fälle von Polizeigewalt seit dem Ende der Apartheid 34 streikende Minenarbeiter von Sicherheitskräften getötet und 78 weitere verwundet worden waren. Insgesamt kamen 45 Menschen ums Leben. Lonmin ist der weltweit drittgrößte Platinproduzent.
Staatspräsident Jacob Zuma versuchte derweil in Brüssel, mögliche Zweifel am Investitionsstandort Südafrika zu zerstreuen. „Wir sind immer noch ein demokratisches Land und haben die Lage unter Kontrolle“, versicherte er. Das Blutvergießen sei „ein Schock“ für das Land und in dieser Form „nicht zu erwarten gewesen“, sagte Zuma.