Türkei fordert Schutzzone in Syrien
Ankara, den 21. Juni (AZERTAG). Ankara drängt darauf, dass neue Lösungen für die Flüchtlinge aus Syrien gefunden werden. Sein Land, das bereits beinahe 70.000 Syrer aufgenommen habe, sei bald nicht mehr in der Lage, weiteren Flüchtlingen Schutz zu bieten, sagte der türkische Außenminister Ahmet Davutoglu nach einem Bericht der Zeitung "Hurriyet". "Wenn die Zahl der Flüchtlinge 100.000 übersteigt, werden wir keinen Platz mehr haben." Es sollte die Möglichkeit geben, die Menschen in Syrien unterzubringen, so der Politiker weiter. Die Uno könnte Flüchtlingslager innerhalb einer "sicheren Zone" auf syrischem Gebiet errichten, schlug Davutoglu vor.
Medienberichten zufolge hat die Türkei bereits auch auf der syrischen Seite der Grenze bei dem Ort Reyhanli Hunderte wartende Flüchtlinge mit Hilfsgütern und Medikamenten versorgt. Das Krisenzentrum der türkischen Regierung teilte mit, an der Grenze sollten von nun an unter Beachtung internationalen Rechts Hilfsgüter für die Menschen in Syrien übergeben werden.
Der Vorstoß Davutoglus allerdings geht weiter: Flüchtlingslager unter dem Schutz der Uno - das wäre der Beginn eines internationalen Eingreifens in Syrien, wenn auch nur auf niedriger Stufe. Syrische Rebellen hatten in den vergangenen Wochen mehr Gebiete an der Grenze zur Türkei unter ihre Kontrolle gebracht - Teile der syrischen Opposition fordern Flugverbotszonen und sichere Zufluchtszonen, die von ausländischen Soldaten geschützt werden.
Zwar hat sich von den ständigen Mitgliedern des Uno-Sicherheitsrats noch keines offiziell für ein solches Vorgehen ausgesprochen. Allerdings hatte US-Außenministerin Hillary Clinton erklärt, Washington und Ankara würden alle Möglichkeiten prüfen, die Aufständischen zu unterstützen, inklusive einer Flugverbotszone.
Eine Flugverbotszone und das Eingreifen der Nato hatten im vergangenen Jahr den Rebellen in Libyen zum Sturz des dortigen Machthabers Gaddafi verholfen. Der Westen hat bislang wenig Interesse an einem solchen Schritt auch in Syrien erkennen lassen - Russland und China sind zudem strikt gegen jede Form der Intervention.