Die Aserbaidschanische Staatliche Nachrichtenagentur

US-Forscher beschreiben einen leicht modifizierten Ansatz

US-Forscher beschreiben einen leicht modifizierten Ansatz

Baku, 14. April, AZERTAC

Wie lässt sich die Erde vor neugierigen Blicken aus dem All verstecken? Zwei Forscher haben dazu jetzt ein Konzept vorgestellt - es soll rohstoffhungrige Aliens verwirren.

Insofern könnte man die Pressemitteilung der altehrwürdigen Royal Astronomical Society auch für einen solchen halten. Sie befasst sich nämlich mit einer Forschungsarbeit, deren Thema gelinde gesagt doch etwas abseitig erscheint. David Kipping und Alex Teachey von der Columbia University in New York beschreiben in einem Fachartikel in den "Monthly Notices of the Royal Astronomical Society", wie sich die Erde aus ihrer Sicht vor neugierigen Blicken von Aliens verstecken könnte - und zwar mit einer gigantischen Tarnkappe.

Für einen Aprilscherz ist die Sache allerdings genau einen Tag zu früh erschienen, am 31. März. Und so muss man wohl davon ausgehen, dass die beiden Herren es ernst meinen - und die Freiheit der Wissenschaft eben auch für die Beantwortung eher exotischer Fragen nutzen. Andererseits: Vielleicht ist die Frage gar nicht so exotisch, vielleicht hat sie einfach nur noch niemand gestellt. Und überhaupt: Haben nicht bekannte Wissenschaftler wie Stephen Hawking längst vor der Gefahr gewarnt, die uns womöglich durch rohstoffhungrige Aliens drohen könnte?

Die Gedankenkette von Kipping und Teachey geht ungefähr so: Wenn fremde Zivilisationen irgendwo in den Weiten des Alls nach Planeten suchen wollen, dann tun sie das womöglich mit Beobachtungsverfahren, wie auch wir sie nutzen. Dazu gehört die sogenannte Transitmethode. Die besagt grob, dass ein Exoplanet, der um seinen Stern kreist, diesen von uns aus betrachtet regelmäßig ein wenig abdunkelt - und zwar immer genau dann, wenn er sich zwischen der Erde und dem betreffenden Stern hindurchschiebt. Und diese Verdunkelung lässt sich nachweisen, zum Beispiel setzt das Weltraumteleskop "Kepler" auf das Verfahren.

Verdunkelung wird gezielt überspielt - Die beiden Forscher schlagen nun Folgendes vor: Um die Existenz der Erde gegenüber fernen Beobachtern zu verschleiern, könnte die Menschheit besonders kraftvolle Laserstrahlen ins All schicken. Und zwar immer genau dann, wenn die Erde aus Sicht der fremden Beobachter vor der Sonne vorbeiläuft. Die Laserstrahlen sorgen dann dafür, dass sich das Licht trotzdem nicht verdunkelt - zumindest wenn wir wissen, aus welcher Richtung ein Spähangriff eigentlich zu erwarten wäre. Denn das vorgeschlagene Lasersystem zielt immer nur in eine Richtung - eine entscheidende Schwäche der Idee.

Die beiden Wissenschaftler haben trotzdem gleich mal durchgerechnet, wie stark die nötigen Laser sein müssten. Um die Erde nur im Bereich des sichtbaren Lichts zu verstecken, kommen sie auf eine Leistung von 30 Megawatt, die für jeweils zehn Stunden pro Jahr in eine Richtung abzustrahlen wäre. Wenn die Störung des Sonnenlichts durch die Erde in allen Wellenlängenbereichen verschwinden soll, wären der Rechnung zufolge 250 Megawatt nötig.

Zum Vergleich: Klassische Glühbirnen haben etwa eine Leistungsaufnahme von 60 Watt. Ein 250 Megawatt-Laser würde also so viel Energie verbrauchen wie gut vier Millionen von ihnen. Militärs experimentieren bereits mit Laserkanonen, die einige Kilowatt Leistung haben. Die leistungsfähigsten Laser der Welt erreichen rund zwei Petawatt, also 2.000.000.000.000.000 Watt - allerdings nur für ein Billionstel einer Sekunde.

Die Forscher beschreiben auch einen leicht modifizierten Ansatz. In diesem Fall würde nicht die Existenz der Erde an sich versteckt - sondern nur der Umstand, dass es hier Leben gibt. Verräterisch sind in diesem Zusammenhang sogenannte Biosignaturen in der Atmosphäre, die zum Beispiel durch das Vorhandensein von Sauerstoff entstehen. Um diese Signale mit einem Laser zu überlagern, sei eine Leistung von 160 Kilowatt nötig.

Die vorgestellte Technik, so schreiben Kipping und Teachey, ließe sich im Übrigen auch in der umgekehrten Richtung nutzen: Die Laser könnten auch die Transitsignale der Erde vor der Sonne gezielt modifizieren - und damit unsere Existenz für mögliche andere Lebensformen im All absichtlich offenlegen. Als eine Art Leuchtfeuer im All. Doch ist nicht gerade das gefährlich? So haben manche Forscher ja bereits die Frage gestellt: Was, wenn jemand antwortet? Womöglich aber sollten wir die Diskussion über diese Fragen auf die Zeit nach dem 1. April verschieben.

Allzu drängend dürfte sie nicht sein. Nach den uns bekannten Gesetzen der Physik könnte sich ein mögliches Alienraumschiff höchstens mit Lichtgeschwindigkeit bewegen. Abkürzungen durch sogenannte Wurmlöcher wären zwar prinzipiell denkbar, doch niemand weiß, ob es sie tatsächlich gibt. Es dürfte also sehr, sehr lange dauern, bis Aliens - von welchem Startort aus auch immer - bei uns ankommen.

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