Wind, Wasser, Weltkulturerbe
Baku, den 7. Juli (AZERTAG). An Frankreichs Nordwestküste ragt der Mont-Saint-Michel in die Höhe - auch aus 700 Kilometern Entfernung wirken der Felsen und die darauf erbaute Abtei imposant, zeigt eine Satellitenaufnahme. Am Boden offenbaren sich jedoch Probleme - denn die Bucht versandet.
Um Windräder wird nicht nur in Deutschland erbittert gestritten. Sinnvolle Ökostromlieferanten kann man in ihnen sehen - oder ein Ärgernis, das die Landschaft verschandelt. In Frankreich erntete ein geplanter Windpark sogar Protest über die Staatsgrenzen hinaus: Die Unesco, die Uno-Organisation, die das Welterbe hütet, sah voller Sorge auf den geplanten Bau. Denn in bis zu 19 Kilometern Entfernung vom Mont-Saint-Michel sollten sich die großen Räder drehen.
Den Blick auf den Klosterfelsen, seit 1979 auf der Liste des Weltkulturerbes, könnte das empfindlich stören. Mehr als drei Millionen Menschen reisen jährlich zu der an der Grenze von Bretagne und Normandie gelegenen Insel, um die mittelalterlichen Bauwerke zu bestaunen.
Auf einer aktuellen Aufnahme des französischen Satelliten „Pleiades“, die Mont-Saint-Michel und Umgebung zeigt, sind die Bauten gut zu sehen. Obwohl das Bild aus 700 Kilometern Entfernung geschossen wurde, kann man den Schatten des Abtei-Turms nördlich der Insel problemlos erkennen. Windräder entdeckt man dagegen nicht - und das wird wohl auch so bleiben. Um den Status von Berg und Bauten nicht zu gefährden, wurde das Windpark-Projekt begraben.
Traditionell bringt man den an der Mündung des Flusses Couesnon gelegenen Felsen und die auf ihm erbaute Abtei auch weniger mit dem Wind in Verbindung als vielmehr mit dem Wasser. Ein rasanter Gezeitenwechsel machte die Wanderung übers Watt zum Klosterfelsen über viele Jahrhunderte lang zu einem riskanten Unterfangen. Erst vor gut 130 Jahren wurde die Insel durch einen Damm mit dem Festland verbunden, so dass sie jederzeit zu Fuß erreichbar war.
Der Damm veränderte jedoch die Bucht. Sie versandete immer stärker. Dass der Mont-Saint-Michel nicht von einer Insel zu einem Hügel im Watt verkommt, ist das Ziel eines anderen Großprojekts in der Region - mit dem Segen der Unesco.
Eine 2009 in Betrieb genommene Schleuse sorgt dafür, dass der Fluss größere Mengen des angeschwemmten Sandes wieder abtransportiert. So soll der Boden um den Mont-Saint-Michel in den kommenden Jahren um 70 Zentimeter tiefer gelegt werden. Den Damm ersetzt eine Stelzenbrücke, um die künftig Besucher zur Abtei wandern sollen.