Yahoo-Chefin legt sich mit Aktionären an
Baku, den 10.August (AZERTAG). Die neue Yahoo-Chefin Marissa Mayer setzt erste eigene Akzente und nimmt die Strategie ihrer Vorgänger auseinander. Die Erlöse aus einem milliardenschweren Verkauf will sie offenbar in das Unternehmen stecken und nicht an Aktionäre auszahlen. Diese reagierten verärgert.
Sie gilt als Hoffnungsträgerin bei Yahoo und drückt bei den Sanierungsarbeiten bei dem angeschlagenen Internetkonzern aufs Tempo. Nur drei Wochen nach ihrem Amtsantritt hat Vorstandschefin Marissa Mayer zahlreiche Entscheidungen ihrer Vorgänger in Frage gestellt.
Ihre Umtriebigkeit kommt bei den Aktionären aber nicht durchgehend gut an. Denn die Yahoo-Chefin will, dass auch die Anleger ihren Teil zur neuen Strategie beitragen. Die Aktionäre sollen nämlich auf Geld verzichten, das die alte Führungsriege ihnen bereits versprochen hatte: Die Milliarden aus dem Verkauf von Anteilen am chinesischen Internetunternehmen Alibaba sollten an die Anleger ausgeschüttet werden.
Der Schwenk von Mayer wurde an der Börse zunächst nicht honoriert. Die Aktie fiel nachbörslich um vier Prozent. Yahoo erklärte in einer Börsenmitteilung, dass sich Mayer zusammen mit dem Verwaltungsrat die Wachstums- und Übernahmestrategie des Unternehmens anschaue. Auch der Restrukturierungsplan sowie die anvisierte Kapitalzuteilung und der Kassenbestand würden überprüft. Ziel sei es, langfristig Wert für die Anteilseigner zu schaffen. Im Klartext heißt das: Mayer will Yahoo auf Vordermann bringen und damit den Aktienkurs steigern.
Langfristig sollte das auch den Aktionären nutzen - doch kurzfristig müssen sie auf Geld verzichten. Der Alibaba-Verkauf soll mindestens 6,3 Milliarden Dollar in bar einbringen. Fast alles, was nach Steuern noch übrigbleibt, war eigentlich den Aktionären versprochen worden. Der Abschluss des Verkaufs wird gegen November erwartet.
Yahoo hat viel aufzuholen-Die Ankündigungen von Yahoo zeigen, dass Mayer offenbar die Kasse füllen möchte, um den Rivalen Google und Facebook Konkurrenz zu machen. Dazu braucht Yahoo dringend Innovationen, die wiederum Geld kosten.
Auch bei der Personalstrategie hinkt der Konzern hinterher. Google und Facebook haben eingestellt, bei Yahoo dagegen sollen 2000 von 14.000 Jobs abgebaut werden. Das alte Management hatte einen Sparkurs verordnet, weil die Werbeanzeigen und der Verkauf von bevorzugten Platzierungen in der Trefferliste von Yahoo weniger Geld einbringen.
Mayer wechselte erst Mitte Juli von Google zu Yahoo. Die 37-Jährige ist eine der bekanntesten Frauen in der Technologieszene. Sie leitete bei Google die Internetsuche und später die Kartendienste. Mayers Berufung hatte für Aufsehen gesorgt. Yahoo-Übergangschef Ross Levinsohn galt zunächst als Favorit für den Chefposten. Er hat inzwischen die Konsequenzen gezogen und verlässt die Internetfirma.