Angriff auf Autokolonne des ecuadorianischen Präsidenten
Baku, 8. Oktober, AZERTAC
In Ecuador haben aufgebrachte Bürger die Autokolonne von Präsident Daniel Noboa attackiert. Rund 500 Menschen hätten die Autos mit Steinen angegriffen und es gebe „offensichtlich auch Einschusslöcher am Auto des Präsidenten“, sagte Umweltministerin Inés Manzano. Noboa sei nicht verletzt worden. Fünf Menschen wurden nach Angaben der Ministerin festgenommen, ihnen wird versuchter Mord und Terrorismus vorgeworfen.
Noboa sei auf dem Weg zu einer Veranstaltung in der Stadt Cañar im Zentrum Ecuadors gewesen, sagte Manzano weiter. Die Regierung veröffentlichte auf X ein Video, das den Angriff zeigen soll, es wurde dem Anschein nach aus einem der betroffenen Autos heraus aufgenommen.
Die Aufnahmen zeigen, wie Menschen nach Steinen und Ziegeln suchen. Während das Auto des Präsidenten vorbeifährt, prallen verschieden Objekte gegen das Fahrzeug und beschädigen Fenster. „Köpfe runter, Köpfe runter“, ist eine Stimme zu hören.
Schon seit Wochen gibt es teils gewaltsame Proteste - Ob die Schäden an Noboas gepanzertem Auto durch die geworfenen Objekte oder tatsächlich durch Schüsse verursacht wurden, wie Noboa sagte, soll nun eine offizielle Untersuchung klären.
Zuletzt hatte es in Ecuador Proteste gegen eine Abschaffung von Subventionen für Diesel gegeben, die teilweise in Gewalt umgeschlagen waren. Demonstranten blockierten Straßen und entführten 16 Soldaten, die kurze Zeit später wieder freigelassen wurden. Die Regierung beschuldigte Drogenkartelle, hinter den Unruhen zu stecken. Noboa verhängte in mehreren Provinzen den Ausnahmezustand.
Die Indigenen-Organisation Conaie hatte am Sonntag mitgeteilt, dass ein Demonstrant während einer der Kundgebungen von Sicherheitskräften getötet worden sei. Zu dem nun erfolgten Angriff auf die Autokolonne des Präsidenten erklärte Conaie, der Konvoi des Präsidenten sei in eine „Widerstandszone“ eingedrungen. Die Regierung wolle den Vorfall nun „als Rechtfertigung für ihre Kriegspolitik“ nutzen.
Zweiter Angriff innerhalb von wenigen Wochen - Es ist nicht der erste Angriff auf den ecuadorianischen Präsidenten. Ende September attackierten Demonstranten bei Protesten nahe der Stadt Cotacachi einen Konvoi mit humanitären Hilfslieferungen, an dessen Spitze Noboa und EU-Diplomaten fuhren. Zwölf Soldaten wurden bei dem Zwischenfall im Norden des Landes verletzt.
Noboa ist seit 2023 Präsident des Landes und wurde im April wiedergewählt. Zu den größten Herausforderungen des 37 Jahre alten Staatschefs zählt die grassierende Kriminalität in Ecuador. Mächtige Drogenbanden machen sich in dem einst recht sicheren Land breit, über die Pazifikhäfen werden große Mengen Kokain vor allem nach Europa und Asien geschmuggelt.