Fukushima-Ausschuss prangert Vertuschung an
Baku, den 24. Juli (AZERTAG). Schlampigkeit, Verheimlichung, Verharmlosung. Eine Kommission stellt der japanischen Regierung und AKW-Betreiber Tepco ein vernichtendes Zeugnis aus. Sie haben demnach beim Management der Atomkatastrophe von Fukushima versagt.
Das Urteil des Untersuchungsausschusses ist eindeutig. Der Fukushima-Betreiber Tepco hat Ermittlungen nach dem Reaktorunfall behindert und das wahre Ausmaß der Schäden im Atomkraftwerk zu vertuschen versucht. Das ist das Ergebnis einer von der japanischen Regierung eingesetzten Expertenkommission. Auch die Regierung des damaligen Ministerpräsidenten Naoto Kan wird von den zehn unabhängigen Experten hart kritisiert. Sie warfen ihr schlechtes Krisenmanagement vor. Die Schwere des Unglücks sei heruntergespielt, die Öffentlichkeit nur scheibchenweise und noch dazu zeitverzögert informiert worden, heißt es.
Regierungschef Yoshihiko Noda bekam den 450 Seiten starken Abschlussbericht am Montag ausgehändigt. „Wir nehmen den Bericht ernst“, sagte er in einer ersten Stellungnahme. Er werde die Ergebnisse und Empfehlungen für die Umstrukturierung der Atomaufsichtsbehörde (Nisa) nutzen, die ab September ihre Arbeit aufnehmen soll. Die Nisa, die direkt dem Wirtschaftsministerium unterstellt war, soll unabhängiger und effizienter werden. Sie wurde in dem Bericht als zahnlose Behörde beschrieben, die ihre Rolle als Aufsichtsorgan nicht erfüllt habe.
Das Chaos verschlimmert-Die Regierung und Tepco hätten die Gefahr eines möglichen Tsunamis gekannt aber nicht als real wahrgenommen. Daher hätten sie keine Vorsichtsmaßnahmen getroffen, heißt es in dem Bericht weiter. Der Fukushima-Betreiber habe die Regierung sogar aufgefordert, in einem Bericht über Erdbebenrisiken die Wahrscheinlichkeit eines Tsunamis zu untertreiben. Das schlechte Krisenmanagement habe zu verstärkter Einmischung Kans und seines Kabinetts in die Belange der Kraftwerksbetreiber geführt, was das Chaos aber nur verschlimmert habe.
Die Experten warfen der Regierung Kans vor, der Öffentlichkeit wichtige Informationen vorenthalten und die Katastrophe heruntergespielt zu haben. Dadurch sei die Bevölkerung erhöhten Gesundheitsrisiken ausgesetzt worden - und das Misstrauen in die Behörden sei geschürt worden.
Nachdem einem Nisa-Vertreter im März herausgerutscht war, dass es zu einer Kernschmelze in den Reaktoren kommen könne, habe die Behörde alle Mitteilungen von Kans Büro absegnen lassen müssen. Die Nisa bestritt noch Monate später, dass es zu Kernschmelzen gekommen sei.
Tepco habe unter anderem unliebsame Daten einer Computeranalyse über das mögliche Ausmaß der Schäden im Innern der Reaktoren zurückgehalten. In einer Anhörung erklärten Tepco-Vertreter nur, die Simulation sei mangelhaft gewesen. Ein weiterer Versuch, die Lage in den Reaktoren nachzustellen, sei nicht unternommen worden.
Tepco-Mitarbeiter hätten bei Befragungen zwar Kenntnisse über Notfallausrüstung gezeigt, diese aber nicht bei der Krisenbewältigung eingesetzt. Die Arbeiter seien nicht angeleitet worden, eigenständig zu denken, ihnen habe es an einer flexiblen und proaktiven Denkweise gemangelt, die beim Krisenmanagement vonnöten sei.
Der Ausschussvorsitzende Yotaro Hatamura sagte in einem Fazit, dass Japan „den Unfall als eine Mahnung der Natur betrachten sollte, dass die menschliche Denkweise fehlerhaft sein kann“. „Wir dürfen dieses Desaster niemals vergessen und sollten weiterhin Lektionen daraus lernen“, erklärte er.