Jamaika wappnet sich für “Melissa”
Baku, 28. Oktober, AZERTAC
Die Menschen in Jamaika bereiten sich auf den wahrscheinlich schwersten Hurrikan vor, der den Karibikstaat je direkt getroffen hat. “Melissa” erreichte vor der Küste Jamaikas die höchste Kategorie 5. Sollte der Sturm mit der derzeitigen Windgeschwindigkeit auf Land treffen, wäre er laut Meteorologen der stärkste Hurrikan, der Jamaika seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1851 heimgesucht hat.
Das US-Hurrikanzentrum NHC warnte vor “katastrophalen und lebensbedrohlichen Winden, Überschwemmungen und Sturmfluten” und rief die Bewohnerinnen und Bewohner dazu auf, sich in Sicherheit zu bringen. “Alle Menschen in Jamaika müssen sich jetzt an einem sicheren Ort aufhalten”, sagte Direktor Michael Brennan.
Auf der Insel leben rund 2,8 Millionen Personen. Umweltminister Matthew Samuda erklärte: “Die Zeit für Vorbereitungen ist so gut wie vorbei.”
Auch Premierminister Andrew Holness warnte vor weitreichender Zerstörung in seinem Land: Der Sturm, der sich aktuell südlich des Inselstaats befindet, werde vermutlich Auswirkungen “auf den westlichen Teil Jamaikas” haben, sagte Holness am Montag in einem Interview mit dem Sender CNN. “Ich glaube nicht, dass es in dieser Region irgendeine Infrastruktur gibt, die einem Sturm der Stufe 5 standhalten könnte.”
Der Zivilschutz habe auf der Insel 850 Notunterkünfte errichtet, die Platz für rund 20.000 Personen bieten würden, sagte Holness weiter. Er bat “alle Jamaikaner und Menschen, die Jamaika wohlgesinnt sind”, weiter dafür zu beten, dass der Hurrikan das Land nicht direkt treffe.
Die meisten Vorhersagen gehen allerdings davon aus, dass es genau dazu am frühen Dienstagmorgen (Ortszeit) kommt: Es wird erwartet, dass “Melissa” gegen 8 Uhr im Landkreis Saint Elizabeth Parish an der Südwestküste Jamaikas auf Land trifft. Das entspricht 14 Uhr deutscher Zeit.
Das Rote Kreuz warnte vor “möglicherweise beispiellosen Folgen” für Jamaika, weil der Inselstaat noch nie zuvor von einem Wirbelsturm solcher Stärke getroffen worden sei.
Der Hurrikan ist langsam – und könnte deshalb größere Schäden anrichten – “Melissa” bewegt sich nur sehr langsam vorwärts und könnte daher lange über Land bleiben und deutlich mehr Schäden anrichten als andere Hurrikane. Im Inneren des Sturms wurden den Angaben zufolge Windgeschwindigkeiten von bis zu 260 Kilometer pro Stunde gemessen. “Ein langsames Tempo bedeutet, dass Gemeinden tagelang statt nur stundenlang unerbittlichen Starkregen ertragen müssen”, teilte die Internationale Rotkreuz- und Rothalbmondbewegung in Genf mit.
Wenn der Hurrikan Jamaika erreicht, rechnen die Meteorologen des NHC an der Südküste mit vereinzelt bis zu vier Meter hohen Sturmfluten. Wegen des zu erwarteten starken Regenfalls auf der Insel ist demnach zudem mit “katastrophalen Überschwemmungen” und “zahlreichen Erdrutschen” zu rechnen. Der Flughafen der Hauptstadt Kingston ist geschlossen, ebenso wie die Häfen des Inselstaats. Jamaikas Regierungschef ordnete Evakuierungen für mehrere Ortschaften an.
Schon am Montag war es in Jamaika zu heftigen Windstößen und Regenfällen gekommen. Umstürzende Bäume beschädigten Stromleitungen und sorgten für Stromausfälle. Mehr als 50.000 Anschlüsse waren ohne Elektrizität, wie Energieminister Daryl Vaz mitteilte.
Nach Angaben von Gesundheitsminister Christopher Tufton kamen in Jamaika in den vergangenen Tagen mindestens drei Menschen durch die Sturmfolgen ums Leben. Weitere 13 Personen seien verletzt worden, sagte Tufton am Montagabend, viele von ihnen beim Sturz von Leitern und Dächern.