Die Aserbaidschanische Staatliche Nachrichtenagentur

Präsident Ilham Aliyev gibt Fernsehsender “Euronews” Interview VIDEO

Baku, 14. März, AZERTAC

Der Präsident der Republik Aserbaidschan, Ilham Aliyev, hat am Donneratg, dem 13. März beim 12. Globalen Baku-Forum dem Fernsehsender “Euronews” ein Interview gegeben.

Ein Ausschnitt des Interviews wurde am Freitag auf dem betreffenden Fernsehsender ausgestrahlt. Jetzt präsentieren wir das komplette Interview.

Journalistin: Herr Präsident, das Globale Baku-Forum wird bereits zum 12. Mal veranstaltet. Welche Erwartungen haben Sie hinsichtlich der Ergebnisse dieser Veranstaltung?

Präsident Ilham Aliyev: Ich hoffe, dass die Teilnehmer wie immer ihre Standpunkte, Gedanken und Ansätze zu den globalen Themen, die auf der Agenda stehen, teilen werden, insbesondere zu einer Zeit, in der sich die Situation auf der internationalen Bühne dramatisch verändert. Die Namen der Teilnehmer des Forums belegen dessen Potenzial. Wie ich bei meiner Rede bereits erwähnt habe, nehmen mehr als 50 derzeit amtierende, ehemalige Staats- und Regierungschefs aus verschiedenen Ländern teil. Sie haben viel Erfahrungen und ein großes Wissen.

Bereits aus der Eröffnungssitzung geht hervor, dass hier eine Kombination verschiedener Meinungen vorhanden ist. Diese überschneiden sich keineswegs, und das ist ein positiver Aspekt. Ich bin sicher, dass bei den Podiumsdiskussionen noch intensivere Debatten geführt werden. Daher entstehen auf diesem Forum immer neue Ideen, und das Forum spielt eine wichtige Rolle bei der Formulierung von Ansätzen zu internationalen Angelegenheiten.

-Das Thema diesjährigen Forums ist ”Neubewertung der Weltordnung”. Was sind Ihrer Meinung nach die Hauptherausforderungen, mit denen wir alle auf globaler Ebene konfrontiert sind?

-Heute teilen alle die Ansicht, dass der Prozess der Festlegung neuer Regeln im Gange ist. Die bekannte Weltordnung existiert nicht mehr, und die Art der internationalen Interaktion, die die internationale Gemeinschaft annehmen wird, ist noch unbekannt.

Sicher ist, dass jedes Land mehr Gewicht auf seine eigenen inneren Angelegenheiten und Ressourcen legen sollte, ohne sich auf externe Hilfe oder internationales Recht stützen zu müssen. Aserbaidschan hat viel Erfahrung, darin seine Zukunft mit seinen eigenen Ressourcen zu gestalten, da es die Auswirkungen der selektiven Anwendung internationalen Rechts erlebte.

Ein weiterer entscheidender Punkt für die Zukunft ist, dass Länder weniger im Rahmen internationaler Institutionen tätig sein werden und verstärkt auf bilaterale Beziehungen setzen. Einige internationale Organisationen zeigen aktuell entweder ihre Schwäche oder sind völlig blockiert. Natürlich befinden wir uns derzeit noch in der Anfangsphase einer globalen Transformation, und viele Themen werden sich nach dem weiteren Verlauf der Ereignisse entwickeln.

-Wir sehen viele geopolitische Veränderungen auf der ganzen Welt. Wie stehen Sie zu den bedeutenden Veränderungen, die wir insbesondere in dieser Region erleben?

-Natürlich ist es wichtig, die Region vor Krisen aus der Umgebung zu schützen. Leider war die Südkaukasus-Region über Jahrzehnte hinweg ein Gebiet der Konfrontation und Feindseligkeit. Jetzt haben wir eine relativ ruhige Phase. Daher müssen wir uns darauf konzentrieren. Wir müssen Sicherheitsmechanismen schaffen, die eine weitere militärische Konfrontation ausschließen, und versuchen, in der Nachbarschaft zu leben, wie wir es zu Zeiten der Sowjetunion getan haben.

Ja, wir waren keine unabhängigen Länder. Wir konnten unsere Zukunft nicht wirklich planen. Wir waren weitgehend vom sowjetischen Zentrum abhängig. Aber zumindest gab es eine aktive Interaktion zwischen den südkaukasischen Republiken. Diese Erfahrung haben wir, und wir müssen sie im Hinterkopf behalten. Für diese Region ist es sehr wichtig, mit den geopolitischen Transformationen nicht zu spät zu kommen und sich auf unsere regionalen Probleme und regionalen Chancen zu konzentrieren.

-Welche Lehren können wir als globale Gemeinschaft aus den Konflikten zwischen Russland und der Ukraine sowie aus den Problemen im Nahen Osten ziehen, um voranzukommen?

-Was uns betrifft, denke ich, dass unser Verständnis für die internationale Ordnung absolut richtig war, weil wir uns in Bezug auf unsere nationalen Interessen auf keine Institution oder auf niemanden verlassen haben. Ob es der Krieg zwischen Russland und der Ukraine ist, oder die Situation im Nahen Osten, Spannungen in Afrika oder in anderen Teilen der Welt, die Länder sollten verstehen, dass ihr Schicksal in ihren eigenen Händen liegt.

Je früher sie das verstehen, desto besser für sie, denn wenn man immer auf die Hilfe von jemandem angewiesen ist, ist man erstens verwundbar, zweitens nicht garantiert, dass diese Hilfe ewig bleibt, und drittens verliert man einen Teil seiner Souveränität. Wer sich immer auf andere verlässt und um Hilfe bittet, wird eines Tages dafür bezahlen müssen.

Unsere Erfahrung war erfolgreich und hat gezeigt, dass wir, indem wir uns auf unsere eigenen Ressourcen verlassen, unsere Souveränität und territoriale Integrität selbst wiederhergestellt haben und nun unsere Zukunft aufbauen. Ich denke, das ist ein wichtiges Ergebnis. Das ist nicht nur eine Theorie. Das ist das, was hier in Aserbaidschan passiert ist.

-Wie schätzen Sie die langfristige globale Stabilität ein? Halten Sie es für möglich, dass wir sie erreichen?

-Ich wäre nicht so optimistisch. Ich bevorzuge es, realistisch zu sein. Ich glaube nicht, dass wir in den kommenden Monaten oder sogar Jahren Stabilität erreichen werden. Wenn wir über den Krieg zwischen Russland und der Ukraine sprechen, ist es selbst wenn der Krieg endet, keine Garantie, dass er nicht wieder aufflammt. Wir hatten fast 30 Jahre, in denen wir eine Waffenstillstandsvereinbarung zwischen Aserbaidschan und Armenien hatten, die im Frühjahr 1994 erreicht wurde. Aber das bedeutete nicht, dass der Krieg zu Ende war, es hat sich einfach transformiert. Der Krieg endet erst, wenn ein Friedensabkommen erzielt wird.

Auch jetzt, fast fünf Jahre nach dem Zweiten Karabach-Krieg, haben wir noch kein Friedensabkommen mit Armenien. Ja, wir haben eine ruhige Phase, keine Opfer, und das ist ein großer Vorteil der heutigen Situation. Aber bis ein Friedensabkommen unterzeichnet wird, gibt es hier keine Stabilität; dasselbe gilt für andere Teile der Welt, dasselbe im Nahen Osten, dasselbe in Afrika.

Leider nimmt die Zahl der Konflikte zu, und unter den bereits gelösten Konflikten ist Karabach der einzige, der auf Grundlage internationalen Rechts und historischer Gerechtigkeit eine Lösung gefunden hat, die international akzeptiert wird.

-Ich glaube, dass solche Veranstaltungen zeigen, dass diese Gespräche beginnen, und sie sind ein wichtiger Teil des geopolitischen Geschehens, nicht wahr?

-Definitiv, denn wenn wir über geopolitische Veränderungen sprechen, sollten wir präziser werden. Es geht darum, was in Washington passiert, was in Bezug auf die neue Politik der neuen amerikanischen Verwaltung passiert, und das zeigt noch einmal, wie die ganze Welt von den Entscheidungen abhängt, die im Weißen Haus getroffen werden. Dies ist die Quelle der globalen geopolitischen Veränderung. Es hat gerade erst begonnen, und wir befinden uns, wie ich sagte, in den ersten Monaten dieser geopolitischen Veränderung.

Deshalb ist eine Veranstaltung wie diese, mit so vielen Teilnehmern, wichtig, um die unterschiedlichen Perspektiven, Bedenken und Erwartungen richtig zu erfassen und auszutauschen. Wenn Sie meine Bemerkungen verfolgen, haben Sie vielleicht bemerkt, dass ich sehr begeistert von dem bin, was passiert. Wie ich in meinen Kommentaren sagte, waren wir sehr enttäuscht über die Verschlechterung der Beziehungen zwischen der früheren US-Regierung und Aserbaidschan, was, wie ich sagen würde, auf einer ungerechten Haltung gegenüber unseren nationalen Interessen beruhte. Daher sind wir sehr begeistert, unsere starke Partnerschaft und Beziehung zu den Vereinigten Staaten unter der Regierung von Präsident Trump wieder aufzubauen.

Aber es gibt Leute im Raum, die mehr enttäuscht als begeistert sind. Das ist normal, weil jedes Land seine eigenen Interessen hat. Jeder Politiker hat seine eigenen Ansichten, und hier auf diesem Forum hoffe ich, dass es zu einem Austausch von Ideen kommt. Das macht das Forum erfolgreich.

-Haben Sie mit Präsident Trump gesprochen, und unterstützt er das Gespräch?

-Ich habe nur mit ihm gesprochen, um ihm zu seinem Sieg zu gratulieren, und das war das einzige Gespräch zwischen uns.

-Bis jetzt. Herr Präsident, es ist immer eine Freude, mit Ihnen zu sprechen.

-Vielen Dank. Ich hoffe, Sie genießen Ihren Aufenthalt in Baku.

-Vielen Dank. Es war schön, Sie zu sehen.

-Vielen Dank.

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