Geheimnisvolle Mauern einer alten Stadt: Reise nach Naringala VIDEO
Shamkir, 14. Mai, AZERTAC
Shamkir/Schämkir gehört zu den beliebtesten Reisezielen sowohl für einheimische als auch für ausländische Touristen, insbesondere für jene, die den Spuren alter Zivilisationen folgen. Die Ruinenstadt des alten Schämkir, die die jahrhundertealte Geschichte des Bezirks bis in unsere Zeit trägt, versetzt die Besucher gleichsam in eine Zeitmaschine und führt sie Jahrhunderte zurück. Jeder, der diesen Ort betritt, hört das Flüstern der alten Mauern und entdeckt im direkten Kontakt mit der Vergangenheit die tiefen Schichten der Geschichte.
Naringala, am linken Ufer des Flusses Schämkirtschay gelegen und rund 8,5 Meter über dem umliegenden Gelände, war ein strategischer Punkt des alten Schämkir sowie dessen wichtigstes administratives und Verteidigungszentrum. Die etwa ein Hektar große Festung beeindruckt noch heute mit ihren massiven Mauern, Türmen und ihrem ausgeklügelten Verteidigungssystem, die die Stärke und Größe der einstigen Stadt widerspiegeln. In einigen Abschnitten erreichen die Mauern eine Höhe von bis zu 7,5 Metern und eine Dicke von nahezu 4 Metern, was der Anlage ein besonders imposantes Erscheinungsbild verleiht.
Archäologische Ausgrabungen auf dem Gelände von Naringala haben Spuren eines einst pulsierenden Lebens freigelegt. Monumentale Bauten aus dem 9. bis 10. Jahrhundert, Säulenhöfe, zahlreiche Räume, Tandur-Öfen und Haushaltsbereiche zeugen von einem reichen städtischen Leben. Der rund 2000 Quadratmeter große Komplex erinnert an ein lebendiges Stadtmodell des Mittelalters. Beim Rundgang fühlt man sich in längst vergangene Zeiten zurückversetzt.
Im nordwestlichen Bereich der Festung belegen Gebäude entlang zweier paralleler Straßen, Überreste einer Apotheke, Räume für Militärangehörige sowie Spuren von Gefängnissen, dass es sich nicht nur um eine Verteidigungsanlage, sondern auch um ein bedeutendes administratives und gesellschaftliches Zentrum handelte. Gefundene Öfen, Feuerstellen und Küchenreste geben Einblick in den Alltag der damaligen Bewohner.
Zu den interessantesten Merkmalen von Naringala zählen die antiken ingenieurtechnischen Anlagen. Ein zwischen den Mauern angelegter schmaler Gang, ein Wasserdrainagesystem sowie eine hydrotechnische Anlage vom Typ „Ovdan“ aus der Zeit der Seldschuken zeugen von einer entwickelten Infrastruktur. Treppenförmige Wasseranlagen, Belüftungssysteme und Lösungen zur Wasserversorgung zeigen, dass das alte Schämkir zu den fortschrittlichen Städten seiner Zeit gehörte.
Bei den Ausgrabungen entdeckte Keramikgefäße, Alltagsgegenstände, Münzen und Baureste bestätigen, dass dieses Gebiet einst ein bedeutendes Handels- und Kulturzentrum war. Heute zählt es zu den meistbesuchten Orten für Geschichtsinteressierte, Fotografen und Reiseliebhaber.